Olympia 2026: Tim Stützle bricht mit NHL-Stars den Bann im Nationaltrikot
Eine bessere Bühne für seine ersten Tore im deutschen Nationaltrikot hätte sich Tim Stützle kaum wünschen können. Beim Olympia-Debüt in Mailand gelang dem 24-jährigen NHL-Weltklassestürmer der Ottawa Senators endlich der lang ersehnte Durchbruch. Nach seinem Doppelpack beim deutschen 3:1-Auftaktsieg gegen Dänemark kommentierte der Ausnahmestürmer trocken: „Es hat ganz schön lange gedauert.“
Von frustrierenden WM-Erlebnissen zur olympischen Befreiung
Die bisherigen Auftritte von Tim Stützle im Nationalteam waren von Pech und Frustration geprägt. Bei der WM 2022 musste der deutsche Hoffnungsträger nach drei torlosen Einsätzen mit einer Knieverletzung vorzeitig abreisen. Im vergangenen Jahr wirkte der Hochveranlagte zwischen vielen DEL-Spielern im deutschen Kader wie ein Fremdkörper und verpasste mit der Auswahl sogar das Viertelfinale. „Es ist sehr frustrierend. Wenn ich es nicht auf die Kette kriege, irgendwann ein Tor zu schießen, kann man kein Spiel gewinnen“, hatte Stützle damals geklagt.
Unter NHL-Stars vom Druck befreit
Bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand zeigt sich ein völlig anderes Bild. Erstmals seit 2014 hat die nordamerikanische Profiliga NHL ihren Stars die Freigabe für die Winterspiele erteilt, wodurch in Mailand die Besten der Besten versammelt sind – auch im deutschen Team. Dieser Umstand scheint Stützle zu beflügeln. Der schöne Führungstreffer zum 2:1 in der 25. Minute wurde ihm von seinem NHL-Kollegen JJ Peterka von den Utah Mammoth auf dem Silbertablett serviert.
Die Entscheidung zum 3:1 in der 31. Minute gelang Stützle dann in Überzahl an der Seite von Superstar Leon Draisaitl, Joshua Samanski (beide Edmonton Oilers), Peterka und NHL-Top-Verteidiger Moritz Seider (Detroit Red Wings). Diese Formation würde selbst in der besten Liga der Welt allerhöchsten Ansprüchen genügen.
Deutsche NHL-Elite liefert geschlossen ab
Dass die deutschen Leistungsträger aus der NHL allesamt auf Anhieb lieferten, ist ein äußerst positives Zeichen für das weitere Turnier. Leon Draisaitl hatte Deutschland nach nur 23 Sekunden in Führung geschossen, und im Tor überragte Philipp Grubauer (Seattle Kraken) mit 37 gehaltenen Schüssen und einer Fangquote von über 97 Prozent. Bundestrainer Harold Kreis zeigte sich entsprechend zufrieden: „Das sind alles gute Eishockeyspieler und das haben sie auch aufs Eis gebracht.“
Persönlichkeitsentwicklung als Schlüssel zum Erfolg
Für Stanley-Cup-Sieger Nico Sturm hat Stützles Explosion im DEB-Trikot auch mit einer bemerkenswerten Persönlichkeitsentwicklung zu tun. Die Dänen versuchten es immer wieder, speziell Stützle mit Härte zu provozieren – eine Taktik, die der Stürmer souverän konterte. „Jeder weiß, was für ein Spieler Tim ist. Er ist ein Unterschiedsspieler. Die werden auch in der NHL hart bespielt. Ich glaube auch, dass er sich über die Jahre daran gewöhnt hat“, analysierte der Stürmer der Minnesota Wild. „Er ist auch aus der Phase raus, dass er da trotzig wird und hebt sein Spiel stattdessen auf ein anderes Level.“
Herausfordernde Vorrunden-Spiele stehen bevor
Geht es nach Sturm, wird es am Samstag im nächsten Gruppenspiel gegen Lettland noch besser: „Alles kann natürlich die nächste Stufe erreichen.“ Spätestens am Sonntag zum Vorrunden-Ende gegen das Superteam von Weltmeister USA ist dies auch dringend notwendig. Am Wochenende entscheidet sich, ob Deutschland den direkten Einzug ins Viertelfinale schafft oder zunächst die Qualifikationsrunde überstehen muss.
Moritz Seider, der selbst gute Chancen hat, in diesem Jahr zum besten NHL-Verteidiger gekürt zu werden, lobte insbesondere Stützle und Grubauer nach dem erfolgreichen Auftakt. Über den deutschen Doppel-Torschützen sagte der 24-Jährige: „Er ist ein überragender Hockey-Spieler und ein wichtiger Spieler in Ottawa. Wir werden ihn für einen guten Lauf hier brauchen.“ Den deutschen Goalie bezeichnete Seider als „Gamechanger“: „Er ist immer stark und einer der besten Torhüter der NHL.“



