Mitten auf dem berühmten Times Square in New York sitzen zwei Männer in einem Glaskasten, lümmeln mit Snacks und Drinks auf einem Ledersofa herum – und gucken Fußball. 39 Tage lang, jedes Spiel. Und dafür gibt es auch noch einen Batzen Kohle: 50.000 Dollar pro Nase. Klingt nach dem Traumjob der WM, hat aber einen klitzekleinen Haken.
Chief Watchers: Der Deal mit der Mega-Summe
Die US-Amerikaner Kevin Akoto (26) aus Dartmouth (Massachusetts) und Austin Franklin (29) aus Jacksonville (Florida) haben bei einem Spiel des Fernsehsenders FOX One gewonnen und wurden zu „Chief Watchers“ („Chef-Guckern“) ernannt. Halten sie sich an die Regeln, winkt die Mega-Summe. Der Deal: Jede Minute der WM verfolgen, dazu Inhalte für die sozialen Medien produzieren. Der Haken: Nur wer die 39 Tage durchhält, kassiert umgerechnet 43.984 Euro.
Job gekündigt und Freundin allein gelassen
„Ich habe hierfür meinen Job in einem Restaurant gekündigt. Aber mein Chef meinte, wenn ich zurückkommen will, stehen die Türen immer offen!“, sagt Akoto zu BILD. Franklin muss seine Freundin für sechs Wochen alleinlassen. „Das Erste, was sie gesagt hat, war: ‚Ich bin so glücklich, dass du die Möglichkeit hast.‘ Und dann: ‚Ich kann nicht glauben, dass sie dich einfach dafür bezahlen, dass du Fußball guckst!‘“
Beide lieben Fußball. Bei der WM feuern sie gemeinsam das US-Team an. „Ich hoffe, die USA schaffen es unter die letzten acht“, sagt Franklin. „Oben werden aber wohl eher Spanien, Argentinien und Frankreich mitspielen. Aber auch Deutschland hat eine Chance.“ Langweilig sei bisher kein Spiel gewesen – auch die torlosen Remis seien unterhaltsam gewesen.
„Wie in einem Aquarium wohnen“
Bis zum Finale spielt sich ihr Leben fast komplett in dem 36-Quadratmeter-Glaskasten ab. Das macht zwei völlig Fremde ganz plötzlich zu ziemlich besten Freunden. „Nach drei Wochen kennen wir uns sehr gut“, sagt Akoto. Und Franklin: „Wir wissen mittlerweile, wer welches Team und welche Spieler unterstützt. Kevin ist immer entspannt, auch wenn er Hunger hat oder müde ist.“ Essen müssen sie sich an den Glaskasten liefern lassen, eine Toilette gibt es um die Ecke. Nur die Nächte müssen sie nicht auf dem Times Square verbringen. Dafür sind sie in einem Hotel in der Nähe untergebracht.
„Ich kann jetzt ein bisschen besser nachvollziehen, wie sich Tiere in einem Zoo fühlen müssen. Es ist so, als ob wir in einem Aquarium sitzen“, sagt Akoto.
Was macht man mit 50.000 Dollar?
Große Pläne für das große Geld haben beide „Chief Watchers“ bisher nicht: Akoto will den WM-Lohn sparen und damit Gutes tun. Franklin träumt dagegen vom Eigenheim. „Ich möchte meiner Mutter und meiner Freundin etwas zurückgeben und spare auf ein Haus“, sagt der 29-Jährige.



