Alysa Liu strahlt bei Olympia in Mailand in Gold
Im goldfarbenen Kleid und mit goldenen Strähnen im Haar eroberte Alysa Liu (20) bei den Olympischen Spielen in Mailand die Herzen des Publikums und sicherte sich die Goldmedaille im Eiskunstlauf. Die gesamte Halle, inklusive der ehemaligen Tennis-Legende Maria Sharapova (38), lag der jungen US-Amerikanerin zu Füßen. „Das ist mein absolutes Lieblingskleid, das ist also schon etwas Besonderes“, erklärte Liu strahlend nach ihrem Triumph.
Atemberaubende Kür und ein bewegendes Comeback
Ihre mitreißende Kür zur MacArthur Park Suite von Donna Summer (†63) begeisterte die 12.500 Zuschauer. Doch hinter diesem olympischen Erfolg verbirgt sich eine unglaubliche persönliche Geschichte. Alysa Liu feierte erst 2024 ihr Comeback nach einer zweijährigen Pause. Nach den Olympischen Spielen 2022 in Peking hatte sie ihre Karriere im Alter von nur 16 Jahren bereits beendet, obwohl sie zuvor zweifache US-Meisterin, WM-Dritte und Olympia-Sechste geworden war.
„Ich war so vom Eiskunstlauf begeistert, dass ich kaum etwas anderes gemacht habe. Eiskunstlauf nimmt fast mein ganzes Leben ein“, reflektierte Liu. „Es gab sehr, sehr viele Momente, in denen ich keinen Spaß daran hatte.“ Doch zwei Jahre später kehrte sie zurück und krönte ihre Comeback-Saison sofort mit dem WM-Titel, gefolgt vom Doppel-Gold bei Olympia in Mailand im Team- und Einzelwettbewerb.
Die dramatische Fluchtgeschichte des Vaters
Ihr Vater Arthur Liu, ein alleinerziehender Vater von fünf Kindern, verfolgte den Triumph seiner ältesten Tochter voller Stolz von der Tribüne aus. Seine eigene Geschichte ist von politischer Verfolgung geprägt. Im Jahr 1989, nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking, floh er aus China in die USA, wo er als politischer Flüchtling anerkannt wurde.
Der Vater hatte Ende der 1980er Jahre in seiner Heimat Studentenproteste und Hungerstreiks organisiert und galt daher weiterhin als Dissident. Diese Vergangenheit holte die Familie auch Jahrzehnte später ein. Vor den Olympischen Spielen 2022 in Peking wurde die Familie von fünf Agenten im Auftrag der chinesischen Regierung bespitzelt und unter Druck gesetzt.
Schutz durch US-Behörden und olympischer Erfolg
Die US-Sicherheitsbehörden reagierten umgehend, nahmen die Spione fest und stellten Alysa Liu unter ihren Schutz. Nur so war es ihr möglich, in Peking anzutreten. „Das war alles sehr seltsam. Ich dachte: Bin ich in einer Show, in der ich veralbert werde? Ist diese Welt real?“, erinnerte sich Liu an die beunruhigenden Ereignisse.
Inzwischen hat sie ein Verständnis für die Geschehnisse entwickelt. „Nach allem, was er getan hatte, war das kein Wunder“, sagte sie über ihren Vater. „Er ist sehr mutig gewesen.“ Ein Bekannter hatte im Sommer 1989 ein Motorboot organisiert, das schneller war als die chinesischen Patrouillenschiffe, und damit die Flucht nach Hongkong ermöglicht. Von dort ging es weiter nach Kalifornien, wo Arthur Liu ein Fan der fünffachen Weltmeisterin Michelle Kwan (45) wurde – der Beginn der Eiskunstlauf-Karriere seiner Tochter Alysa.
Ein perfekter Moment mit der Familie
„Diese Reise bis hierher war unglaublich, und mein Leben war einfach perfekt. Ich habe keine Klagen und bin einfach für alles unendlich dankbar“, betonte Liu, die ihren Vater und ihre vier Geschwister auf der Tribüne in Mailand dabeihatte. Die Familie war aus der Nähe von Oakland angereist, um sie zu unterstützen.
„Ich habe die letzten zwei Abende meine Geschwister und Freunde besucht, mit ihnen zu Abend gegessen, auch noch sehr spät“, lachte sie. Diese besonderen Momente mit ihren Liebsten waren die perfekte Vorbereitung auf den größten Tag ihrer Karriere. Alysa Liu hofft, dass ihre Geschichte auch andere Menschen inspiriert: „Ich glaube, meine Geschichte ist ziemlich cool und ich hoffe, dass sie auch andere Menschen inspiriert.“



