Vor 40 Jahren: Das legendäre 7:3-Comeback von Bayer Uerdingen gegen Dynamo Dresden
Bayer Uerdingens legendäres 7:3-Comeback vor 40 Jahren

Das Wunder von der Grotenburg: Ein Fußball-Mythos wird 40

Vor genau vier Jahrzehnten schrieb der deutsche Fußball eines seiner unvergesslichsten Kapitel. Am 19. März 1986 vollbrachte Bayer 05 Uerdingen im Europapokal-Viertelfinale gegen Dynamo Dresden das vielleicht größte Comeback der Bundesliga-Geschichte. Aus einem 1:3-Rückstand zur Halbzeit und einer 0:2-Hinspielniederlage entwickelte sich ein 7:3-Erfolg, der als „Wunder von der Grotenburg“ in die Annalen einging.

Die Ausgangslage: Eine scheinbar aussichtslose Situation

Die Vorzeichen vor dem Rückspiel in der ehemaligen Grotenburg-Kampfbahn konnten kaum ungünstiger sein. Dynamo Dresden, trainiert von Klaus Sammer, hatte das Hinspiel im Rudolf-Harbig-Stadion mit 2:0 gewonnen. Im Rückspiel verschlimmerte sich die Lage für Uerdingen dramatisch: Bereits in der ersten Minute traf Ralf Minge zum 0:1. Wolfgang Funkel glich zwar aus, doch Franz Lippmann (1:2) und ein Eigentor von Rudi Bommer nach Vorarbeit von Ulf Kirsten kurz vor der Pause (1:3) schienen das Aus zu besiegeln.

„In der Kabine herrschte Totenstille“, erinnert sich der damalige Uerdinger Torwart Werner Vollack im Gespräch mit SPORT1. „Wir saßen da, mit Handtüchern vor dem Gesicht, und konnten kaum glauben, was gerade passiert war. Wut, Enttäuschung – alles zugleich. Uns war klar, dass wir aus diesem Wettbewerb ausgeschieden waren.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Die Wende: Ein Funke Hoffnung wird zur Feuersbrunst

Kapitän Matthias Herget brach das bedrückende Schweigen mit aufmunternden Worten: „Lasst euch nicht noch mehr von Dresden vorführen. Zeigt, dass wir anständig aus diesem Wettbewerb gehen.“ Diese Botschaft entfachte ungeahnte Kräfte.

In der 58. Minute leitete Wolfgang Funkel mit einem Elfmeter nach einem Foul an seinem Bruder Friedhelm die historische Aufholjagd ein. Was folgte, war Fußballmagie pur: Ein Eigentor von Ralf Minge (64.), Treffer von Wolfgang Schäfer (67.), Dietmar Klinger (78.) und zwei weitere Tore von Wolfgang Funkel (81., Elfmeter) sowie Schäfer (87.) besiegelten den 7:3-Erfolg.

„Als das 6:3 fiel, war klar: Jetzt gibt es kein Zurück mehr“, beschreibt Vollack die unwirkliche Atmosphäre. „Etwas war entfacht, das sich nicht mehr aufhalten ließ. Das Stadion bebte, und wir waren mittendrin, als würde jeder Ball, jeder Schuss, jeder Pass das Unmögliche bestätigen.“

Die Protagonisten: Erinnerungen an einen magischen Abend

Wolfgang Funkel, der mit drei Toren zum Matchwinner avancierte, blickt noch heute mit Gänsehaut auf diesen Abend zurück: „Wenn man heute daran denkt, läuft einem immer noch ein Schauer über den Rücken. Dieses Spiel war mehr als Fußball – es war ein Moment, in dem alles möglich schien.“

Sein Bruder Friedhelm, der insgesamt 14 Jahre für Uerdingen aktiv war, ergänzt: „Dieses Spiel steht sinnbildlich dafür, dass Fußball sich nicht immer an Logik hält. Es sind genau solche Abende, in denen sich Charakter, Mentalität und Teamgeist verdichten.“

Das Vermächtnis: Ein Spiel für die Ewigkeit

Obwohl Uerdingen im Halbfinale gegen Atlético Madrid ausschied und der Pokalsiegerpokal schließlich an Dynamo Kiew ging, bleibt das „Wunder von der Grotenburg“ ein zeitloser Fußball-Mythos. Das Magazin 11 Freunde kürte es sogar zum größten Fußballspiel der Geschichte.

Heute, 40 Jahre später, wird das legendäre Spiel in Krefeld mit einer Nostalgie-Veranstaltung gewürdigt. Neben Werner Vollack und den Brüdern Funkel werden zahlreiche weitere Protagonisten von damals erwartet, darunter Matthias Herget. Der mittlerweile 91-jährige Trainer Friedhelm „Kalli“ Feldkamp wird per Video zugeschaltet, und das komplette Spiel läuft erneut über die Leinwand – 90 Minuten Fußballgeschichte, die Generationen von Fans begeistern.

Der Verein trägt heute den Namen KFC Uerdingen und spielt in der Oberliga Niederrhein, doch das Erbe des 19. März 1986 bleibt unvergessen. Es ist der Beweis, dass im Fußball selbst das Unmögliche möglich werden kann – wenn Teamgeist, Mentalität und der Glaube an den eigenen Erfolg zusammenkommen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration