Bayern München geht gegen umstrittene Sperre vor
Der FC Bayern München hat am Wochenende nach dem Bundesligaspiel bei Bayer Leverkusen offiziell Einspruch gegen die automatische Ein-Spiel-Sperre von Stürmer Luis Diaz eingelegt. Der Klub bestätigte dies auf Anfrage des Senders Sky. Der Hintergrund: Im Spiel am Samstag zeigte Schiedsrichter Christian Dingert dem 29-jährigen Kolumbianer in der 65. Minute nach einer umstrittenen Szene im Strafraum die Gelb-Rote Karte.
Schiedsrichter räumt eigenen Fehler ein
Besonders brisant: Dingert selbst äußerte sich nach dem Spiel selbstkritisch zu seiner Entscheidung. „Wenn ich jetzt die Bilder sehe, ist es kein Elfmeter, das ist mal klar. Gelb-Rot ist sehr hart, das würde ich jetzt nicht mehr so geben“, gab der Unparteiische zu. Diese Aussage stärkt nun die Position der Bayern im Einspruchsverfahren beim DFB-Sportgericht.
Expertenmeinungen gehen auseinander
BILD-Schiedsrichter-Experte Manuel Gräfe analysierte die Szene differenziert: „Es gibt den Kontakt, aber warum gibt es ihn? Diaz sucht den Kontakt zum Torhüter, während der gerade steht. Also er will den Elfmeter ziehen, und wer einen Elfer ziehen will, ohne dass ein aktives Foulspiel vorliegt, der will den Schiedsrichter täuschen.“ Gräfe zeigte jedoch auch Verständnis für Dingerts spätere Einschätzung.
Der Experte wies zudem auf eine frühere Szene hin, in der Diaz großes Glück hatte: „Wenn man auf zwei Meter Höhe den Ball mit dem Fuß spielen will und dann den Gegner frontal mit den Stollen am Kopf trifft, dann ist das eigentlich eine rote Karte. Hier viel Glück für Diaz, dass er nicht hier schon runterflog. Das ist gesundheitsgefährdend.“
Bayern-Boss kritisiert Schiedsrichterleistungen
Bayern-Vorstand Jan-Christian Dreesen (56) nutzte die Gelegenheit für grundsätzliche Kritik an der aktuellen Schiedsrichterleistung: „Wir betrachten die Entwicklung der letzten Wochen mit Sorge. Die Leistung in Leverkusen war der Höhepunkt einer Phase, in der wir immer wieder mit fragwürdigen Entscheidungen konfrontiert waren.“ Der 56-Jährige nannte konkret Spiele gegen den HSV, in Dortmund und nun in Leverkusen, in denen strittige Szenen oft gegen den FC Bayern entschieden worden seien.
„Der DFB ist gefordert, das Niveau der Leistungen seiner Schiedsrichter zu verbessern“, forderte Dreesen deutlich. „Dass Christian Dingert seinen Fehler eingesteht, ist ehrenwert, aber das alleine hilft uns nicht.“
Ungewisser Ausgang des Einspruchsverfahrens
Ob das DFB-Sportgericht die Gelb-Rote Karte als so eklatant falsch einstuft, dass die Sperre für Diaz tatsächlich aufgehoben wird, bleibt fraglich. Die Tatsache, dass der Schiedsrichter selbst seine Entscheidung in Frage stellt, könnte jedoch ein gewichtiges Argument für die Münchner sein.
In der Fußball-Community gehen die Meinungen zu den jüngsten Schiedsrichterentscheidungen bei Bayern-Spielen stark auseinander. Während die Bayern-Führung von einer Häufung fragwürdiger Entscheidungen gegen den Verein spricht, sehen viele neutrale Beobachter auch zahlreiche Szenen, die zugunsten des Rekordmeisters ausgefallen sind. Klar ist jedoch: Die Diskussion um die Qualität der Schiedsrichterleistungen und des Video-Assistenten (VAR) in der Bundesliga wird durch diesen Fall weiter angeheizt.



