Emotionale Wutrede und spätere Reue: Blessins Schiri-Kritik nach verpasstem St. Pauli-Sieg
Der FC St. Pauli hat im dramatischen Abstiegskampf der Bundesliga eine entscheidende Chance vertan. Gegen den SC Freiburg unterlagen die Hamburger am Sonntagabend mit 1:2 (1:0) und verblieben auf dem gefährlichen Relegationsplatz 16. Die frühe Führung durch Danel Sinani in der 24. Minute reichte nicht aus, um die Breisgauer in Schach zu halten.
Matanovic dreht das Spiel für Freiburg
Der ehemalige St. Paulianer Igor Matanovic wurde zum Matchwinner für den SC Freiburg. Der Stürmer traf in der 65. und 78. Minute doppelt und sorgte damit für die Wende. Für Freiburg bedeutete der Sieg das Ende einer kleinen Schwächephase nach drei Partien ohne Dreier. Die Mannschaft von Trainer Christian Streich zeigte sich erholt von den Strapazen des Europa-League-Viertelfinales, in dem sie Genk mit 5:1 besiegt hatten.
Für St. Pauli hingegen wurde die Niederlage zum herben Rückschlag im Überlebenskampf. Trotz lautstarker Unterstützung durch ihre Fans, die die Mannschaft bereits am Bus mit Pyrotechnik empfangen hatten, gelang der ersehnte Befreiungsschlag nicht.
Blessins explosive Kritik am Unparteiischen
Nach dem Abpfiff entlud sich die Enttäuschung von St. Pauli-Trainer Alexander Blessin in einer emotionalen Wutrede gegenüber dem Sender DAZN. „Wir haben nicht gegen elf Mann gespielt, sondern gegen zwölf – und das war der Schiedsrichter“, begann der sichtlich aufgebrachte Trainer seine Kritik an Schiedsrichter Florian Badstübner.
Blessin kritisierte insbesondere das Verhalten des Unparteiischen: „Wenn mir ein Schiedsrichter die Gelbe Karte gibt und dann höhnisch anlächelt – das finde ich respektlos. Auch, wenn ich emotional draußen bin.“ Der Trainer machte zudem mehrere strittige Entscheidungen vor dem ersten Freiburger Treffer für den Spielverlauf verantwortlich.
Späte Einsicht und Entschuldigung
Auf der anschließenden Pressekonferenz zeigte Blessin jedoch Reue für seine scharfen Worte. „Die Aussage, die ich bei DAZN getätigt habe, war nicht clever“, räumte der Trainer ein. „Es ist aus der Emotion heraus passiert, das muss man mir zugestehen. Hier geht es um extrem viel.“ Blessin bezog sich damit auf die existenzielle Bedeutung jedes einzelnen Punktes im Abstiegskampf.
Temporeiches Duell vor Hamburger Kulisse
Das Spiel selbst entwickelte sich vor der malerischen Kulisse des Frühlingsdoms auf dem Heiligengeistfeld zu einem temporeichen Duell. St. Pauli zeigte sich insbesondere in der Anfangsphase überlegen und ging durch Sinani verdient in Führung. Die Mannschaft bewies erneut ihre Stärke im heimischen Millerntor-Stadion.
Für Freiburgs Rekordtorschützen Vincenzo Grifo war die Partie besonders: Es war sein 300. Bundesligaspiel für verschiedene Vereine. Der Italiener trieb seine Mannschaft energisch voran, die auch im Halbfinale des DFB-Pokals steht.
Nach der Pause übernahm Freiburg zunehmend die Initiative. Matanovic und der quirlige Yuito Suzuki sorgten für Gefahr, während St. Pauli mit Joel Fujita im Mittelfeld tapfer gegenhielt. Ein aberkanntes Tor von Cyriaque Irié in der 74. Minute aufgrund von Abseits verzögerte den Freiburger Jubel nur kurz.
Die Niederlage bedeutet für St. Pauli weiterhin akute Abstiegsgefahr, während Freiburg im Europapokalrennen bleibt. Die emotionalen Reaktionen von Trainer Blessin unterstreichen die immense Bedeutung jedes Spiels in der heißen Phase der Bundesliga-Saison.



