Hans 'Buffy' Ettmayer: Die unvergessene Bundesliga-Legende mit dem besonderen Körperbau
Bundesliga-Legende Hans 'Buffy' Ettmayer: Ein Unikat

Hans 'Buffy' Ettmayer: Eine Bundesliga-Ikone, wie es sie heute nicht mehr geben würde

Heute vor drei Jahren verstarb Hans „Buffy“ Ettmayer im Alter von 76 Jahren nach langer Krankheit. Der österreichische Fußballer entwickelte sich trotz oder gerade wegen seines markanten Übergewichts zu einer der farbenfrohsten und beliebtesten Persönlichkeiten in der Geschichte der deutschen Bundesliga. Seine Karriere und sein unverwechselbarer Charakter machen ihn zu einer Figur, die im heutigen hochprofessionalisierten Profifußballbetrieb undenkbar erscheint.

Die „Wuchtbrumme aus Ottakring“: Vom Wiener zum Publikumsliebling

Der gebürtige Wiener, der mit 1,72 Metern Körpergröße während seiner aktiven Zeit etwa 85 Kilogramm wog, erhielt seinen Spitznamen „Buffy“ während seiner Zeit bei Wacker Innsbruck. In der Heimat seines damaligen Trainers Leopold Stastny aus der Tschechoslowakei bedeutet dieser Kosename so viel wie „Dickerchen“. Ettmayer, der für seine Vorliebe für üppige Mahlzeiten bekannt war – insbesondere für „Steaks, die mit so viel Sauce Béarnaise bedeckt waren, dass kein Fleisch mehr zu erkennen war“ – machte aus seiner körperlichen Erscheinung schließlich eine Marke.

„Ich habe keinen Revue-Körper, aber ich kann Fußball spielen. Ich kenne viele Spieler, die haben einen Revue-Körper und können’s nicht!“, lautete einer seiner legendären Aussprüche, mit denen er seine besonderen fußballerischen Qualitäten betonte.

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Sportliche Erfolge und technische Brillanz

Ettmayers fußballerisches Talent kompensierte seine körperlichen Nachteile bei weitem. Als technisch begabter Mittelfeldspieler verfügte er über ein umfangreiches Repertoire an Tricks und eine enorme Schusskraft. Bei Wacker Innsbruck stieg er zum Publikumsliebling und zur Klublegende auf, als er maßgeblich zu den ersten großen Titeln des Vereins beitrug: 1970 erzielte er das Siegtor im Pokalfinale, 1971 folgte der Meistertitel.

Im selben Jahr wechselte er zum VfB Stuttgart, wo er in 97 Bundesligaspielen 34 Tore erzielte. Besonders in Erinnerung blieb sein Treffer gegen Eintracht Frankfurt im WM-Jahr 1974 – es war das 10.000. Tor der Bundesliga-Geschichte. In seiner letzten Saison für den VfB 1974/75 wurde er sogar zum Mannschaftskapitän ernannt.

Legendäre Dialoge und Karriereausklang

Die Beziehung zu Trainer Albert Sing war jedoch von Spannungen geprägt. Ein besonders denkwürdiger Dialog zwischen den beiden ging in die Fußballgeschichte ein: „Buffy, du spielst nicht, du bist zu dick“ – „Ich war schon immer so.“ – „Es gibt Bilder von dir, da warst du dünner“ – „Die sind wahrscheinlich mit einer Schmalfilmkamera gemacht.“

Nach dem Abstieg des VfB Stuttgart wechselte Ettmayer zum Hamburger SV, wo er die formal größten Erfolge seiner Karriere feierte: Den DFB-Pokal 1976 und den Europapokal der Pokalsieger 1977. Allerdings kam er unter Trainer Kuno Klötzer nur unregelmäßig zum Einsatz.

Die letzten Jahre seiner aktiven Laufbahn verbrachte er beim FC Lugano in der Schweiz, beim Freiburger FC in der 2. Bundesliga sowie bei den Amateurklubs 1. Göppinger SV und SpVgg Rommelshausen, wo er jeweils als Spielertrainer fungierte.

Leben nach der Fußballkarriere

Nach seinem endgültigen Rückzug aus dem Fußballgeschäft konzentrierte sich der 30-malige österreichische Nationalspieler auf eine Tätigkeit als Vertreter für Taschenbücher, die er über einen Sponsor in Göppingen gefunden hatte und die seinem rhetorischen Talent entgegenkam.

Ettmayer, der mit seiner Frau Susanna in Notzingen bei Stuttgart lebte, blieb auch nach seiner Karriere dem leiblichen Genuss zugetan. Noch bei Auftritten mit der Traditionself des VfB Stuttgart machte er regelmäßig Halt an der örtlichen Eisdiele. „An guten Tagen“, verriet er in einem Interview 2011, „haue ich mir schon mal zehn Kugeln rein.“

Ein bleibendes Vermächtnis

Hans „Buffy“ Ettmayer bleibt als eine der originellsten und sympathischsten Persönlichkeiten der Bundesliga-Geschichte in Erinnerung. Seine Karriere zeigt, dass Fußballidole nicht immer dem perfekten athletischen Ideal entsprechen müssen. Seine freche Unvernunft, sein technisches Können und sein selbstironischer Umgang mit seinem Körperbau machten ihn zu einem Spieler, den die Fans liebten – auch wenn seine Trainer manchmal verzweifelten.

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Sein Tod am 1. April 2023 markierte das Ende einer Ära, in der Individualität und Charakter im Fußball noch einen besonderen Stellenwert hatten. Ettmayers Geschichte erinnert daran, dass wahre Legenden oft jenseits konventioneller Normen entstehen.