Didier Deschamps (57) ist seit 2012 Nationaltrainer von Frankreich. Nach der WM hört er auf. Doch vor seinem letzten großen Turnier schlägt der Trainer Alarm: Er macht sich Sorgen um die Zukunft des Fußballs und warnt vor einer Überbelastung der Spieler.
Deschamps: „Die Alarmglocken läuten seit Längerem“
„Der Kalender war für einen Top-Spieler schon immer überladen, jetzt kommen noch mehr Partien dazu. Allein an der WM nehmen 48 Mannschaften teil, es gibt zusätzliche Wettbewerbe wie die Klub-Weltmeisterschaft“, sagte Deschamps im Interview mit der WELT am SONNTAG. „Die Gefahr eines Burnouts ist deshalb nicht wegzudiskutieren.“
Erstmals wird eine WM mit 48 Teams ausgetragen. Hinzu kommen andere Wettbewerbe in neuem Format. In der Champions League gibt es mittlerweile acht Spiele in der Gruppenphase, dazu können vor dem Achtelfinale noch zwei K.-o.-Spiele kommen. Auch die Klub-WM wurde im vergangenen Sommer in einem neuen, aufgeblähten Modus ausgetragen.
Körperliche und psychische Belastung
„Die Erholungsphasen für die Spieler werden kürzer, aber auch die Vorbereitungsphasen auf ein Turnier. Mittlerweile kann man berechnen, wie es um die körperliche Müdigkeit eines Spielers bestellt ist. Was aber nicht messbar ist: Wie geht es der Psyche eines Spielers? Und die spielt eine wichtige Rolle im Fußball“, sagt Deschamps weiter.
Der Doppelweltmeister als Spieler (1998) und Trainer (2018) spricht auch über die Favoritenrolle der „Équipe Tricolore“ bei der WM: „Natürlich wissen wir um unsere Stärke. Wir wurden 2018 Weltmeister, standen 2022 gegen Argentinien im Finale. Wir haben viele gute Fußballspieler mit sehr hoher Qualität. Aber es gibt sechs, sieben Mannschaften, die den Titel holen können: Spanien, Portugal, England, Deutschland, Brasilien und Argentinien zählen dazu. Und bei dieser WM gilt es erneut, Etappen mit vielen Widrigkeiten zu überwinden.“
Herausforderungen bei der WM
„Die klimatischen Voraussetzungen etwa, die Reiserei aufgrund der weiten Entfernungen. Das fußballerische Niveau ist sehr hoch. Man muss nur auf unsere Vorrundengruppe schauen, die ist mit den Gegnern Senegal, Irak und Norwegen schwierig“, sagt Deschamps weiter. „Oder man sollte sich an die WM 2022 in Katar zurückerinnern. Damals qualifizierte sich mit Marokko erstmals ein afrikanisches Land für das Halbfinale. Warum sollte es eine derartige Überraschung nicht wieder geben?“
Deschamps ist seit 2012 Nationaltrainer Frankreichs. Mit seiner Mannschaft startet er am Dienstag mit dem Spiel gegen den Senegal ins Turnier.



