Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist im zweiten Gruppenspiel der WM 2026 in Toronto gegen die Elfenbeinküste in Rückstand geraten. Franck Kessie erzielte in der 31. Minute das 1:0 für die Afrikaner – und das direkt nach der Trinkpause, einer bereits mehrfach kritisierten Unterbrechung. Das DFB-Team war zuvor überlegen, hatte aber die Führung verpasst. Mit einem Sieg hätte Deutschland bereits vor dem letzten Gruppenspiel den Einzug ins Sechszehntelfinale perfekt machen können.
Trinkpause als Wendepunkt
Die Trinkpause, die bei dieser WM bei hohen Temperaturen eingeführt wurde, sorgt immer wieder für Diskussionen. Bereits im ersten Spiel gegen Curacao hatte Deutschland direkt nach einer solchen Pause ein Gegentor kassiert. Nun wiederholte sich das Muster: In der 30. Minute unterbrach Schiedsrichter Juan Gabriel Benitez aus Paraguay die Partie für eine kurze Erfrischungspause. Kaum war das Spiel wieder angepfiffen, setzte sich Diomande auf der linken Seite durch. Im Strafraum wollte Brown klären, doch der Ball landete direkt vor den Füßen von Kessie, der aus sechs Metern keine Mühe hatte, einzuschieben. „Das Tor aus dem Nichts und wieder mal direkt nach der Trinkpause“, kommentierte Liveblog-Autor Jörg Leopold.
Deutschland mit Übergewicht, aber ohne Glück
Vor dem Gegentreffer hatte die deutsche Mannschaft das Spiel kontrolliert. Die erste große Chance ergab sich in der 11. Minute: Kimmich flankte aus dem rechten Halbfeld auf den Kopf von Havertz, doch Fofana im Tor der Elfenbeinküste musste sich strecken und wehrte nach einem Aufsetzer stark zur Seite ab. Kurz darauf scheiterte Musiala aus 16 Metern knapp – sein Schuss rauschte rechts unten am Tor vorbei. „Insgesamt ist es aber bisher ein offenes Spiel, auch die Afrikaner deuten immer wieder ihr Tempo an“, so Leopold.
In der 24. Minute gab es Aufregung: Nach einem Eckstoß von Deutschland rempelte Pavlovic leicht gegen Fofana und bugsierte den Ball danach ins Tor. Schiedsrichter Benitez pfiff sofort wegen eines Stürmerfouls – eine richtige Entscheidung, wie Leopold befand. Fofana musste kurz behandelt werden, konnte aber weitermachen.
Schlotterbeck angeschlagen
Sorgen bereitet die Verfassung von Nico Schlotterbeck. Der Dortmunder saß in der 15. Minute im eigenen Strafraum am Boden und winkte nach draußen. Er hatte sich in einem Zweikampf verletzt und lief danach unrund. Nach einer Behandlungspause kam er zurück, verzog aber das Gesicht und war nicht schmerzfrei. Sollte er nicht weitermachen können, stünde Antonio Rüdiger als Ersatz bereit.
Ausgangslage in der Gruppe E
Vor dem Spiel hatte die Situation in der Gruppe E klar ausgesehen: Mit einem Sieg wäre Deutschland mindestens als Gruppenzweiter im Achtelfinale gestanden. Sollte Ecuador in der Nacht gegen Curacao nicht gewinnen, wäre sogar der Gruppensieg perfekt gewesen. Umgekehrt hätte auch die Elfenbeinküste mit einem Sieg das Weiterkommen klar machen können. Bei einem Remis wären beide Teams sehr wahrscheinlich in der nächsten Runde gewesen, dann aber mit offenen Platzierungen. Nun liegt Deutschland zurück und muss im zweiten Durchgang aufholen.
Äußere Bedingungen und Fanunterstützung
Die Bedingungen in Toronto waren mit 24 Grad und Sonnenschein gut, nur der Wind war etwas böig. 3000 deutsche Anhänger hatten sich zu einem Fanmarsch zum Stadion versammelt, um „Heimspielatmosphäre“ zu schaffen. „Zumindest optisch ist das schon mal gelungen“, schrieb Leopold. Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte sich vor dem Spiel bei MagentaTV fokussiert gezeigt: „Wichtig ist, den nächsten Schritt zu machen. Wir versuchen, das Spiel zu gewinnen gegen einen Gegner, der schon gefährlich ist.“
Historischer Kontext
Es war erst das zweite Länderspiel zwischen Deutschland und der Elfenbeinküste überhaupt. Das erste fand im November 2009 unter traurigen Umständen statt – unmittelbar nach dem Suizid von Robert Enke. Manuel Neuer stand damals schon im Tor, wurde zur Pause für Tim Wiese eingewechselt. Es war sein zweites Länderspiel; heute bestreitet er sein 126. Zudem ist Neuer mit diesem Spiel alleiniger WM-Rekordtorhüter: Er hat nun die meisten WM-Einsätze eines Torwarts absolviert, übertraf damit den bisherigen Rekord von Gianluigi Buffon.
Deutschland hatte in der WM-Geschichte gegen afrikanische Teams eine starke Bilanz: Von acht Spielen gab es nur eine Niederlage (1:2 gegen Algerien 1982). Die Elfenbeinküste war jedoch gewarnt und zeigte sich effektiv. Nun muss die Nagelsmann-Elf im zweiten Durchgang eine Reaktion zeigen, um das Achtelfinale noch aus eigener Kraft zu erreichen.



