Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist im Achtelfinale der Weltmeisterschaft gegen Paraguay ausgeschieden. Nach einem 1:1 in der regulären Spielzeit und der Verlängerung unterlag die DFB-Elf im Elfmeterschießen mit 3:4. Es ist das dritte WM-Aus im Achtelfinale in Folge nach 2018 und 2022.
Elfmeter-Drama: Tah, Woltemade und Havertz scheitern
Im Elfmeterschießen vergaben Jonathan Tah, Nick Woltemade und Kai Havertz vom Punkt. Für Paraguay trafen alle Schützen, wobei Manuel Neuer keinen Elfmeter parieren konnte. Es war die erste Niederlage der deutschen Nationalmannschaft in einem Elfmeterschießen bei einer WM. Bundestrainer Julian Nagelsmann steht nach dem Aus massiv in der Kritik.
Spielverlauf: Paraguay geht in Führung, Havertz gleicht aus
Vor 63.945 Zuschauern in Foxborough brachte Julio Enciso Paraguay in der 42. Minute per Kopf in Führung. Die deutsche Abwehr hatte den Torschützen aus den Augen verloren. Kai Havertz glich in der 54. Minute per Kopf nach einer Flanke von Florian Wirtz aus. In der Verlängerung erzielte Jonathan Tah ein Tor, das der Schiedsrichter nach VAR-Intervention wegen angeblichen Foulspiels von Waldemar Anton an Torhüter Orlando Gill aberkannte. Schiedsrichter-Experte Thorsten Kinhöfer nannte die Entscheidung „absolut nicht nachvollziehbar“.
Nagelsmanns Taktik geht nicht auf: Undav und Doppelspitze wirkungslos
Nagelsmann setzte erstmals bei dieser WM auf eine Doppelspitze mit Deniz Undav und Kai Havertz. Der von vielen Fans geforderte Startelf-Einsatz von Undav verpuffte jedoch wirkungslos. „Die Nation wollte es ja schon relativ lange, jetzt ist er drin“, hatte Sportdirektor Rudi Völler vor dem Spiel bei MagentaTV gesagt. Nagelsmann erklärte die Hereinnahme mit dem Wunsch nach mehr Präsenz im gegnerischen Strafraum. Jamal Musiala musste dafür auf die Bank.
Klopp kritisiert deutsche Defensive: „Einfach schlecht verteidigt“
Jürgen Klopp, als TV-Experte im Stadion, kritisierte die deutsche Defensive beim Gegentor scharf: „Tore fallen meistens nach Fehlern, hier wurden acht gemacht. Das wurde einfach schlecht verteidigt.“ Er bemängelte zudem die Statik des deutschen Spiels: „Wir sind zu statisch. Undav nicht im Spiel, Nmecha nicht im Spiel.“
Kimmich erneut ohne WM-Titel: Kapitän wird zur tragischen Figur
Joshua Kimmich, der Kapitän, ackerte und rannte, muss aber nun bei seiner dritten WM vor dem Finale in den Urlaub fahren. Er wurde erneut als rechter Verteidiger aufgeboten, obwohl es Debatten um seine ideale Position gab. Kimmich blieb auch in diesem Turnier ungekrönt.
Ausblick: Nagelsmann in der Kritik, Klopp als möglicher Nachfolger?
Nach dem Aus wird über die Zukunft von Bundestrainer Julian Nagelsmann diskutiert. Anders als 2018 und 2022, als Joachim Löw und Hansi Flick im Amt blieben, hat Nagelsmann keine Argumente für eine Fortsetzung. Jürgen Klopp, der als Experte vor Ort war, gilt als potenzieller Nachfolger. Nagelsmann hatte vor dem Spiel eine „Drecksack-Mentalität“ gefordert, die sein Team jedoch nicht zeigen konnte.
Statistik: Deutsche Dominanz ohne Ertrag
Deutschland hatte über weite Strecken mehr Ballbesitz und mehr Pässe (244:31 nach 35 Minuten), konnte daraus aber zu wenig Kapital schlagen. Die einzige nennenswerte Chance vor der Pause hatte Felix Nmecha mit einem abgefälschten Schuss. In der zweiten Halbzeit und der Verlängerung vergaben unter anderem Leon Goretzka, Aleksandar Pavlovic und Waldemar Anton gute Möglichkeiten. Am Ende reichte es nicht.



