Erstmals in der Geschichte des deutschen Fußballs haben Vereine über ein neues Ligen-System abgestimmt. Die Reform der Regionalliga-Struktur sieht vor, dass alle Meister direkt in die 3. Liga aufsteigen. Die ersten Hochrechnungen von BILD zeigen überraschende Ergebnisse: Das Kompassmodell mit vier Staffeln à 20 Mannschaften hat in drei von fünf Regionen eine Mehrheit erhalten.
Westen stimmt fürs Kompassmodell
Nach BILD-Informationen haben die Westvereine eine Mehrheit für das Kompassmodell erzielt. Marcus Uhlig von Rot-Weiß Oberhausen forderte nach dem DFB-Skandal die Rückkehr zu den ursprünglichen Vorschlägen der DFB-Arbeitsgruppe. Die Verbandsfunktionäre gaben nach, um einen Boykott zu verhindern. Die kurzfristige Änderung auf 18er-Regionalligen wurde in Duisburg gekippt. Das Verhältnis lag bei 14 Stimmen für die Kompasslösung und neun fürs Regionenmodell. Uhlig sagte: „Die Westvereine haben in jedem Fall ihre Hausaufgaben gemacht, was uns extrem freut. Der Kampf geht weiter!“
Südwesten entscheidet sich fürs Regionenmodell
Im Südwesten war eine Mehrheit fürs Kompassmodell von vornherein schwierig, aber das Ergebnis fiel unerwartet deutlich aus. Die Klubs aus Rheinland-Pfalz, Saarland, Baden-Württemberg und Hessen votierten mit 27 von 29 Stimmen für das seit 2018 bekannte Regionenmodell in 18er-Ligen. Dies würde die Aufspaltung des Nordostens auf Bayern und den Norden bedeuten. Für den Ostfußball wäre es eine massive Schwächung, und eine politische Mehrheit im ganzen Land gilt als ausgeschlossen. Das Ergebnis aus Karlsruhe dürfte einer Reform nicht endgültig im Wege stehen, da der DFB-Vorstand andere Mehrheitsverhältnisse durch die Beteiligung der DFL hat.
Norden mit eindeutiger Mehrheit fürs Kompassmodell
Im Norddeutschen Verband ließ Regionalverbandschef und DFB-Vize Ralph-Uwe Schaffert (75) sich wegen Urlaubs von seinem ersten Stellvertreter Uwe Döring vertreten. Nach BILD-Informationen wurde ein zusätzliches Feld für Anmerkungen bei einer digitalen Umfrage eingefügt. Zahlreiche Vereine im Norden sprachen sich im Vorfeld ab, dort die 4x20er-Variante des Kompassmodells explizit zu verlangen. 61,5 Prozent waren fürs Kompassmodell, 14,5 Prozent für neue Modelle und 23,1 Prozent für das bisherige System. Das Regionenmodell bekam keine einzige Stimme.
Osten stimmt klar fürs Kompassmodell
In Berlin trafen sich die Nordost-Vereine zur Stimmabgabe mit NOFV-Chef Hermann Winkler. Das Ergebnis im Sitzungssaal lautete eine Stimme fürs bisherige System, acht für neue Modelle und 29 fürs Kompassmodell in der 4x20er-Version. Unklar sind noch die Online-Abstimmungen. Hansa Rostock und Dynamo Dresden dürften nach ihrem vorläufigen Boykott aufgrund des DFB-Skandals nachträglich wieder als Stimmen fürs Kompassmodell gewertet werden. Mit mindestens 31 von maximal 55 Stimmen ist eine klare Mehrheit erzielt. Im Osten wurden anders als in den meisten anderen Gebieten alle 32 Oberligisten beteiligt, weshalb das Ergebnis dadurch enger ausfällt als erwartet.
Spezial-Ergebnis in Bayern
In Bayern gestaltete sich die Abstimmung etwas anders. Nach BILD-Informationen stimmten 2 Prozent fürs Regionenmodell, 46 Prozent fürs Kompassmodell in der 4x20er-Variante und 52 Prozent für neue Modelle, die es nicht gibt. Der DFB wird genau prüfen, wie viele Fünftligisten unter der Mehrheit für weitere Diskussionen sind. Haben von den aktuellen bayerischen Regionalligisten die meisten fürs Kompassmodell votiert, spricht dies ebenfalls für die Reform.
Fazit
Die Vereine haben sich in allen Regionen mit Vehemenz gegen die nachträglichen Veränderungen durchgesetzt und wollen mit vier 20er-Regionalligen spielen. Im Westen, Osten und Norden gibt es Mehrheiten fürs Kompassmodell. Zusammen mit der DFL ist eine Mehrheit im DFB-Vorstand nicht weit weg. In Bayern sieht es nicht aussichtslos aus, der Südwesten steht mit dem Regionenmodell allein da. Und vor allem eines steht fest: Fünf Regionalligen kann es ab der Saison 2027/28 nicht mehr geben. Die Vereine wählen alle neue Optionen, keiner will beim Hier und Jetzt bleiben.



