Doping-Skandal um Laura Freigang: Sperre droht der Nationalspielerin
Doping-Skandal: Laura Freigang droht Sperre

Nationalspielerin Laura Freigang (28) von Eintracht Frankfurt droht eine Sperre wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Richtlinien. Der Fall ist kompliziert. SPORT BILD beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist über den Fall bekannt?

Freigang und Eintracht Frankfurt wollen sich gegenüber SPORT BILD nicht äußern. Nach unseren Recherchen verpasste sie im Februar einen Doping Test durch die nationale Anti-Doping-Agentur Nada. Die Stürmerin soll dabei zu einer „Probe außerhalb der Wettkampfzeit“ nicht angetroffen worden sein, weil sie in der Zeit doch ein Spiel hatte. Das soll aber so der Nada nicht mitgeteilt worden sein. Zur Erklärung: Sportler, die zur Auswahl für internationale Wettbewerbe stehen, müssen der Nada über eine App mitteilen, wo sie sich befinden. Zudem muss pro Tag eine Stunde angegeben werden, in der sie an einem mitgeteilten Ort für einen Test zur Verfügung stehen. Verpasst ein Sportler binnen eines Jahres drei Tests, wird er wegen eines Verstoßes angeklagt. Das ist nach Ermittlungen der Nada bei Freigang so. Die Agentur überwies den Fall am 4. Juni an die Sportgerichtsbarkeit des DFB. Freigang schrieb am 6. Juni auf Instagram: „Bei den verpassten Kontrollen handelt es sich nicht um bewusst vermiedene Kontrolltermine, sondern um Unstimmigkeiten bzw. Missverständnisse in den täglich zu aktualisierenden Angaben.“ Nach Informationen von SPORT BILD fehlte zwar Freigangs Angabe über das Spieldatum, woraufhin sie nicht angetroffen wurde. Kurz darauf soll sie aber auf eigene Initiative doch noch getestet worden sein – die Probe war sauber.

Wie geht es weiter?

DFB-Kontrollausschuss und -Sportgericht erheben in Kürze Anklage gegen Freigang. Die soll innerhalb der nächsten zehn Tage erfolgen. Aller Voraussicht nach kommt es dann zu einer mündlichen Verhandlung, in der die Nationalspielerin vor Gericht persönlich oder per Video gehört wird. Mit einem Urteil ist binnen der nächsten zwei Monate zu rechnen.

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Während des schwebenden Verfahrens gilt für Freigang die Unschuldsvermutung, sie kann weiter Fußball spielen. „Sie ist nicht vorläufig suspendiert, daher droht dem Verein kein Nachteil“, sagt der renommierte Sportrechtsanwalt Christof Wieschemann (63), der in Doping-Verfahren bereits verteidigte, aber auch über Schuldfragen mitentschied.

Was droht Freigang?

Nach Informationen von SPORT BILD steht nicht im Raum, dass Freigang mit den versäumten Tests tatsächlich Doping verschleiern wollte. „Man muss klar auseinanderhalten: Es geht hier nicht um den Schutz des Wettbewerbes, sondern um den Schutz des Kontrollsystems. Das ist ein ganz anderer Schuldvorwurf“, sagt Wieschemann. „Man kann ihr nicht vorwerfen, dass sie Tests versäumt hat, um ein Dopingvergehen zu verschleiern.“

Dennoch kann das Strafmaß ähnlich hoch sein wie bei überführten Dopingsündern. „Die Strafe liegt bei zwei Jahren. Bei Nachweis eines geringeren Verschuldens kann es auf ein Jahr verkürzt werden. Das ist die Minimalstrafe“, sagt Wieschemann. Heißt: Bei einer Verurteilung wäre Freigang mindestens ein Jahr lang gesperrt. Im Rahmen von bis zu zwei Jahren ist jede Dauer der Sperre denkbar.

Möglich sind auch ein Freispruch oder die Streichung eines verpassten Tests wegen Verfahrens- oder Tatsachenfehlers. Dann stünde sie wieder bei zwei Versäumnissen.

Welche Folgen hätte eine Verurteilung?

Eine Sperre ist quasi ein Berufsverbot. „Sie dürfte nicht am organisierten Sport teilnehmen“, sagt Wieschemann. „Außerhalb dessen darf sie zum Beispiel mit einem Personalcoach oder in einem Fitnesscenter ihre körperliche Leistungsfähigkeit erhalten.“ Heißt: Freigang dürfte keine Spiele bestreiten, nicht mit der Mannschaft trainieren und auch nicht die örtlichen und personellen Ressourcen der Eintracht nutzen. Zudem dürfte sie auch nicht bei einem anderen Verein trainieren.

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Nach Informationen von SPORT BILD kümmert sich die Eintracht aktuell intensiv um Freigang. Bei einer Verurteilung könnte der Verein aber höchstwahrscheinlich arbeitsrechtliche Schritte einleiten. „Es läge ein Verstoß gegen die arbeitsvertraglichen Pflichten vor. Der kann dazu führen, dass der Arbeitsvertrag fristlos gekündigt wird“, sagt Wieschemann. Freigangs Vertrag in Frankfurt läuft bis Sommer 2027. „Sie ist durch die Sperre aus eigenem Verschulden nicht in der Lage, ihre Arbeitsleistung zu erbringen, daher ist der Arbeitgeber von seiner Vergütungspflicht entbunden.“ Heißt: Die Eintracht muss das Gehalt (geschätzt: 150 000 Euro im Jahr) nicht weiterzahlen. „Einen Schadenersatzanspruch durchzusetzen ist kompliziert und schwer möglich“, sagt der Anwalt.

Allerdings könnte der Klub auch demonstrativ an der Seite von Freigang stehen und sie während einer Sperre in einer anderen Funktion einbinden. „Sie unterliegt dem Anti-Doping Code nur als aktive Athletin“, sagt Wieschemann. Das bedeutet: Ein Einsatz beispielsweise in der Geschäftsstelle oder bei der Sponsoren-Betreuung ist möglich.

Wahrscheinlich ist, dass Freigang wegen gängiger Anti-Doping-Klauseln private Sponsoringverträge verlieren könnte. Und bei einer Sperre von mindestens einem Jahr wäre die WM 2027 mit der Nationalmannschaft futsch.

Was kann Freigang retten?

Nach Recherchen von SPORT BILD arbeiten Freigang, einige Anwälte und ihr Verein seit Wochen an einer Verteidigungsstrategie. Dabei wird es nach aktuellen Erkenntnissen vor allem darum gehen, wie die fehlerhafte Übermittlung des Spieltermins zu bewerten ist. Denkbar ist ein Prozess über einen Präzedenzfall, der die gängige Praxis der Melde-App infrage stellt. Dabei könnte auch eine Rolle spielen, inwieweit offizielle Wettkämpfe von Sportlern selbst gemeldet werden müssen, obwohl sie öffentlich bekannt sind. Zudem gilt die App als kompliziert.

Die Eintracht pflegt die Termine ihrer Spieler nur dann, wenn sie nicht dem verschärften Nada-Code für internationale Turniere unterliegen. Spielerinnen wie Freigang müssen die Meldungen selbst vornehmen. Bei einigen Fußballern übernehmen Berater-Agenturen oder Vertrauenspersonen diese Pflichten. Allerdings sind auch sie auf Infos der Sportler angewiesen. Freigang hatte ihre App in der Vergangenheit selbst gepflegt, die Verantwortung dafür liegt ohnehin immer bei den zu testenden Personen.

Warum wird der Fall so groß?

Freigang ist eine der populärsten deutschen Fußballerinnen. Sie ist seit Jahren eine der besten Torschützinnen der Eintracht und in der Bundesliga, war mit der Nationalelf bei den letzten vier großen Turnieren und hat 44 Länderspiele bestritten.

Zudem engagiert sie sich für queere und soziale Projekte, ist ein Lautsprecher für Gleichberechtigung und Toleranz. Sie betreibt neben dem Fußball eine Design-Firma („Gang of Ideas“) und bringt Bücher mit eigener Fotokunst heraus. Gerade in Frankfurt ist sie eine Ikone, hat unter anderem die Telefonvorwahl 069 tätowiert.