Bayern Münchens Sportvorstand Max Eberl hat die umstrittenen FIFA-Investorenpläne mit deutlichen Worten kritisiert und sogar einen Boykott des europäischen Fußballs in Erwägung gezogen. „Ich finde es beschämend. Ich schäme mich dafür, dass wir im Fußball über solche Gedanken reden. Der Fußball – das haben die Fans auch schon gesagt – gehört uns nicht. Es ist ein Spiel“, sagte Eberl im Trainingslager der Münchner in Rottach-Egern.
FIFA-Plan: Milliardendeal mit Investoren
Der Fußball-Weltverband hatte kürzlich mitgeteilt, einen Teil seiner kommerziellen Rechte, insbesondere an der Weltmeisterschaft, an Investoren verkaufen zu wollen. Dadurch erhofft sich die FIFA eine Milliardensumme. Der europäische Dachverband UEFA hat bereits deutlich seine Ablehnung signalisiert. Eberl schloss sich dieser Haltung an und betonte: „Die FIFA ist für mich da, dieses Spiel zu begleiten, dieses Spiel in Formen und Regeln zu bringen, Weltmeisterschaften auszutragen. Momentan habe ich das Gefühl, die FIFA ist nur dafür da, Profit zu machen.“
Eberl: „Mich ekelt das“
Der 52-jährige Funktionär, der sich selbst als „Kind des Fußballs“ bezeichnet, zeigte sich angewidert von den Plänen. „Selbst mich, der im Fußball wirklich zu Hause ist, mich ekelt das“, erklärte Eberl. Er begrüßte die entschlossene Reaktion der UEFA und sprach sich für einen möglichen Boykott aus: „Ich bin kein Freund von Boykott, sondern eigentlich ein Freund von Dialog. Aber wenn es so weit kommt, wäre ich tatsächlich auch dafür, dass wir als Europa eine starke Stirn bieten und sagen: Nee, das machen wir nicht mit, das ist nicht unser Sport.“
FC Bayern als potenzieller Nutznießer
Paradoxerweise könnte der FC Bayern als Teilnehmer der Club-Weltmeisterschaft von den deutlich steigenden Einnahmen durch den FIFA-Deal profitieren. Dennoch stellte Eberl die Prinzipien über die finanziellen Vorteile. Die Münchner stehen damit in einer Reihe mit anderen europäischen Top-Klubs, die sich gegen die Kommerzialisierung des Fußballs durch die FIFA stellen.
Der Vorstoß der FIFA kommt nur wenige Wochen nach dem WM-Finale in den USA. Der Verband verspricht sich durch den Verkauf von Rechten eine dringend benötigte Finanzspritze. Doch die Kritik aus Europa ist laut und deutlich: Nicht nur Vereinsvertreter, auch Fanorganisationen laufen Sturm gegen die Pläne. Eberls Aussagen spiegeln eine wachsende Unzufriedenheit wider, die weit über München hinausreicht.
Zukunft des Fußballs im Fokus
Die Debatte um die FIFA-Investorenpläne zeigt die grundsätzliche Frage nach der Zukunft des Fußballs: Soll der Sport weiterhin den Fans und Spielern gehören oder zunehmend von Investoren und Profitinteressen bestimmt werden? Eberl machte klar, dass er für Ersteres kämpft – notfalls auch mit einem Boykott.



