Der FC Sevilla, siebenmaliger Europa-League-Sieger und langjähriger Gast in der Champions League, steht vor dem Abstieg in die zweite spanische Liga. Mit 34 Punkten auf Platz 18 der La Liga droht dem Traditionsverein nach 26 Jahren der erste Abstieg. Wie konnte es zu dieser Katastrophe kommen?
Der letzte große Moment
Gonzalo Montiel schrieb am 31. Mai 2023 in der Puskás Aréna von Budapest das letzte große Kapitel für den FC Sevilla. Er verwandelte den entscheidenden Elfmeter im Finale gegen die AS Rom und sicherte dem Klub den siebten Europa-League-Titel – ein Rekord. Doch nur drei Jahre später wirkt dieser Triumph wie eine ferne Erinnerung. Statt um europäische Titel kämpft Sevilla um den Klassenerhalt.
Der Absturz zeichnete sich ab
Die Mannschaft hat nur zwei Punkte Rückstand auf das rettende Ufer, aber die Form ist alarmierend: Aus den letzten acht Spielen gab es nur einen Sieg. Anfang April verlor man gegen den Tabellenletzten Oviedo mit 0:1, es kam zu Ausschreitungen und Morddrohungen gegen Spieler. Die spanische Lokalzeitung ABC Sevilla spricht von einem „Teufelskreis, der den Klub an den Rand des Abgrunds brachte“.
Finanzielle Schieflage
Die einfache Antwort auf die Frage nach dem Niedergang lautet: Sevilla fehlt Geld. Der Klub hat Schulden in Höhe von 88 Millionen Euro und Kredite in dreistelliger Millionenhöhe. Für das Geschäftsjahr 2024/25 wurde ein Verlust von 54 Millionen Euro verbucht. Ohne die Kredite wäre der Klub längst insolvent. Ein Abstieg würde die finanzielle Situation weiter verschärfen.
Monchis Abgang als Wendepunkt
Der Absturz hängt eng mit dem Abgang von Sportdirektor Ramón Rodríguez Verdejo, genannt „Monchi“, zusammen. Er hatte den Klub von 2000 bis 2023 mit kluger Transferpolitik von einem Fahrstuhlklub zu einem Spitzenteam geformt. Nach dem Europa-League-Sieg 2023 verließ er den Verein wegen Zerwürfnissen mit der Führung. ABC Sevilla bezeichnet dies als „Nullpunkt“ des Niedergangs. Sein Nachfolger Víctor Orta konnte nicht an die Erfolge anknüpfen.
Chaos auf und neben dem Platz
Im ersten Jahr nach Monchis Abgang verpasste Sevilla als Titelverteidiger die europäischen Wettbewerbe. Der Kader war teuer, aber die Einnahmen blieben aus. Der Jahresverlust stieg von 19,2 auf 81,7 Millionen Euro. Selbst die Rückholaktion von Sergio Ramos brachte nicht den erhofften sportlichen oder finanziellen Erfolg. In der Saison 2023/24 spielte Sevilla ohne Trikotsponsor, weil niemand die geforderten Summen zahlen wollte. Die Verzweiflung war so groß, dass der Klub den gesamten Kader zum Verkauf anbot. Die Schulden wuchsen auf rund 350 Millionen Euro an. Auf der Trainerbank herrschte ein Verschleiß: Sieben verschiedene Trainer kamen seit Monchis Abgang zum Einsatz. Aktuell soll Luis García Plaza den Klub vor dem Abstieg retten.
Vater-Sohn-Streit belastet den Verein
Die Wut der Fans richtet sich gegen Präsident José María del Nido Carrasco, der auf Plakaten als „Junior, vete ya“ („Hau ab, Junior“) beschimpft wird. Sein Vater, Ex-Präsident José Maria del Nido, hält noch immer die Mehrheit der Aktien und liegt mit seinem Sohn über Kreuz. Auf einer Aktionärsversammlung 2023 beschimpfte er seinen Sohn als „Scheißhaufen“. Ein Abstieg würde die Situation eskalieren lassen, da kein Spieler eine Ausstiegsklausel für den Abstiegsfall hat und Gehaltskürzungen nicht vorgesehen sind.
Rettung in Sicht?
Noch hat Sevilla Zeit, die Katastrophe abzuwenden. Am Montag spielt der Klub gegen Real Sociedad, am 9. Mai folgt das Abstiegsduell gegen Espanyol Barcelona. Ein Investor, der Investmentfonds „Five Eleven Capital“, ist an einer Übernahme interessiert und hat 450 Millionen Euro geboten. Ex-Real-Star Sergio Ramos, der dem Fonds angehört, will seinen Jugendklub retten. Doch der Deal stockt, und ein Verbleib in der ersten Liga wäre für eine Übernahme wohl notwendig.



