Nicht Vorstandschef Alexander Jobst (52) und auch nicht der neue Sportvorstand Samir Arabi (47) haben bei Fortuna Düsseldorf das letzte Wort. Die entscheidende Macht liegt beim Aufsichtsrat, unter dessen Regie der Traditionsklub nach 17 Jahren wieder in die 3. Liga abgestürzt ist.
Die Ära Borgerding und Fuchs: Vom Bundesligisten zum Drittligisten
Am 26. Januar 2020 übernahmen Björn Borgerding (44) und Sebastian Fuchs (49) als Vorsitzender und Stellvertreter die Führung des Aufsichtsrats. Damals war die Fortuna noch in der Bundesliga. Seitdem aber ging es sportlich bergab. Innerhalb von sechs Jahren verschliss Fortuna fünf Trainer und vier Manager – alles mit Billigung oder sogar auf Initiative des Aufsichtsrats.
Als erstes wurde Trainer-Ikone Friedhelm Funkel (72) nur drei Tage nach der Wahl des neuen Aufsichtsrats entlassen. Sein Nachfolger Uwe Rösler (57) stieg mit Fortuna ab. 2021 wurde sein Vertrag nicht verlängert, Christian Preußer (42) übernahm – der Negativtrend setzte sich fort. Im Februar 2022 kam Daniel Thioune (51). Eine der wenigen Personalentscheidungen, die funktionierten: Er führte Fortuna souverän zum Klassenerhalt und scheiterte 2024 später erst in einer dramatischen Relegation am Bundesliga-Aufstieg.
Thioune, Anfang, Ende: Das Trainer-Karussell dreht sich weiter
Doch nach nur acht Spieltagen der abgelaufenen Saison war auch für Thioune Schluss. Fortuna stand auf Platz 13, sieben Punkte vor einem direkten Abstiegsrang. Weil der Klub zuvor offiziell den Aufstieg als Ziel ausgegeben hatte, wurde Markus Anfang (52) verpflichtet. Nach einem kurzen Zwischenhoch zog Fortuna fünf Spieltage vor Saisonende die nächste Reißleine und holte Alexander Ende (46). Doch auch er konnte den Absturz trotz zweier Heimsiege nicht mehr verhindern.
Sportlich verantwortlich war damals Sven Mislintat (53). Erst im Dezember 2025 als Nachfolger von Klaus Allofs (69) gekommen, musste er bereits nach fünf Monaten wieder gehen – erneut eine Entscheidung des Aufsichtsrats. Zuvor hatte Borgerding gemeinsam mit Fuchs bereits Allofs im September 2020 als Sportvorstand installiert. Dabei hatten sie wenige Monate zuvor schon Uwe Klein (56) in den Vorstand geholt, nachdem Lutz Pfannenstiel (53) seinen Posten aufgegeben hatte. Das Führungsmodell Allofs/Klein funktionierte nur zwei Jahre. Dann musste Klein gehen.
Arabi als Hoffnungsträger – doch die Machtfrage bleibt
Jetzt soll Samir Arabi den Scherbenhaufen aufräumen. In seinen ersten Wochen vermittelt er den Eindruck, tatsächlich der richtige Mann für den Neustart zu sein. Bemerkenswert bleibt allerdings, dass Borgerding und Fuchs nach dem Absturz von der Bundesliga bis in die 3. Liga überhaupt noch die Personalentscheidungen treffen dürfen. Das größte Fortuna-Rätsel sitzt womöglich nicht auf der Trainerbank – sondern im Aufsichtsrat. Dessen Bosse sich spätestens auf der nächsten Mitgliederversammlung stellen müssen, wenn sie wiedergewählt werden wollen.



