Nach dem gescheiterten Versuch, die DFB-Reform zur Regionalliga über eine Klub-Abstimmung einzuführen, droht eine weitere Hängepartie. Dabei geht es einerseits darum, dass endlich alle Meister in die 3. Liga aufsteigen, andererseits um die Talentförderung. BILD hat erfahren, welche taktischen Machtspiele im Hintergrund wirklich ablaufen.
Geheimplan der Regionalverbandspräsidenten
So sollen die Regionalverbandspräsidenten einen bestimmten Geheimplan verfolgen. Ihr Ziel: Sie wollen den DFB dazu bekommen, die 3. Liga auf 22 Teams aufzustocken und alle fünf Regionalliga-Meister aufsteigen zu lassen. Dann hätten alle fünf Regionalliga-Träger gleichzeitig ihre Liga und Macht erhalten.
Nach BILD-Informationen wollten die Regionalverbandschefs Peter Frymuth (69/Westen), Dr. Christoph Kern (43/Bayern), Ralph-Uwe Schaffert (75/Norden) und Hermann Winkler (63/Nordosten) sowie Maximilian Ziegler-Freisinger als Geschäftsführer der Regionalliga Südwest GmbH das Vereinsreferendum mit ihren kurzfristigen Veränderungen am Vier-Staffel-Konzept des Kompassmodells zum Scheitern bringen, um anschließend ihr sogenanntes 22/5-Vorhaben in der DFB-Zentrale durchzusetzen.
Scheitern des Klub-Referendums war beabsichtigt
Auffällig: Sowohl Kern in der Pressemitteilung des Bayerischen Fußballverbands als auch Winkler in der „Leipziger Volkszeitung“ sprachen die Aufstockung der 3. Liga kurz nach der Klub-Abstimmung an. Ähnlich offensiv trat der 1. Vize-Präsident des Nordverbandes Uwe Döring plötzlich im Anschluss auf. Er sagte: „Auch wenn es keine bundesweite Lösung gegeben hat, werden wir uns in den kommenden Wochen erneut dafür starkmachen, dass ein gerechtes Modell gefunden wird, welches Aufstiegsspiele zur 3. Liga überflüssig macht.“
Die größte Gemeinsamkeit der fünf Regionalliga-Bosse war schon immer, dass keiner seine Liga aufgeben wollte. Problem: Die DFB-Zentrale sieht es anders, lehnte eine Veränderung der 3. Liga von Beginn an ab, so auch in der Arbeitsgruppe.
DFB warnte vor Änderung des Kompassmodells
Auch die Worte von Sportwissenschaftler Prof. Harald Lange (57) von der Uni Würzburg, der sich mit den DFB-Strukturen auskennt, passen: „Die Abstimmung war erstens der Versuch eines einigermaßen demokratischen Prozesses, um die Solidarität der Regionen untereinander zu testen. Zweitens war er aber vor allem ein übles Machtspiel, das die Regionalverbandschefs mit der DFB- und DFL-Spitze austragen. Aus diesem Grund liefen hier wieder Hinterzimmer-Spiele ab.“
BILD weiß: Auf der Sitzung der fünf Regionalliga-Bosse am 2. Juni war auch DFB-Geschäftsführer Spielbetriebe Manuel Hartmann (42), der das Kompassmodell entworfen hatte, vor Ort. Er warnte die Verbandschefs vor ihren vermeintlichen Tricks, zeigte ihnen bei jeder Veränderung des ausgehandelten Kompromissvorschlags die unmittelbare Folge auf. Und es gibt einen weiteren brisanten Versuch: Nach BILD-Infos fühlten Verbandsvertreter noch vor dem Vereinsvoting bei der Klub-Initiative „Aufstiegsreform“ vor und wollten sie dazu bewegen, sich für die 22/5-Lösung einzusetzen.
Warum lehnt die DFB-Führung die Aufstockung der 3. Liga ab?
Zwar könnte durch sie eine Gerechtigkeit der Aufstiegsfrage sehr schnell erreicht werden und theoretisch schon in der kommenden Saison erstmals alle fünf Meister aufsteigen, um im ersten Zwischenschritt auf 21 Drittligisten zu kommen. Viele Probleme der 4. Spielklasse würden aber bleiben.
So ist der sportliche Abstand zur 3. Liga zu groß. Gerade Meister aus Bayern oder dem Norden taten sich in den letzten Jahren sehr schwer, oben Fuß zu fassen. Auch hinsichtlich der Zulassungskriterien steigen die Zusatzinvestitionen sprunghaft an. Mit dem Kompassmodell soll das abgefedert werden.
Talentförderung nach WM-Aus im Fokus
Der wichtigste Aspekt aber ist: Mit 22 Vereinen würde das Niveau der 3. Liga weiter verwässert werden, während die schwache Regionalliga-Struktur bleibt. Bei Einführung der Kompassvariante würde die Viertliga-Qualität steigen. Für den DFB hat die Talentförderung nach dem erneut frühen WM-Aus nun allerhöchste Priorität. Gerade für Nachwuchstalente, die oft in zweiten Mannschaften auf dieser Ebene in den Profifußball starten, soll der Profiunterbau anspruchsvoller werden.
Fakt: DFB und Regionalverbände wollen sich wohl zeitnah an einen Tisch setzen. 22/5 oder das Kompassmodell – anders als in der Vergangenheit lässt sich die Frage nicht mehr verschieben, es braucht eine Entscheidung. Über 95 Prozent der Vereine wollen eine Veränderung, 50,9 Prozent die Kompasslösung. Die DFB-Spitze hat gute Argumente, eine Mehrheit der Klubs und die Fanszenen hinter sich. Wenn nicht jetzt, wann dann?



