Das Bundesfamilienministerium unter Karin Prien (CDU) hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der das Elterngeld grundlegend umbaut. Künftig soll die staatliche Leistung nur noch zwölf statt bisher 14 Monate gezahlt werden, sofern beide Elternteile jeweils mindestens drei Monate der Erziehungszeit übernehmen. Zugleich steigen die monatlichen Summen erstmals seit fast 20 Jahren: Der Mindestbetrag von 300 auf 330 Euro, der Höchstbetrag von 1.800 auf 1.900 Euro. Mit der Reform sollen rund 500 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden.
Hintergrund und Ziele der Reform
Das Elterngeld wurde 2007 eingeführt, um Paare zum Nachwuchs zu ermutigen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Bislang erhalten Eltern mindestens 300 Euro, maximal 1.800 Euro pro Monat für 14 Monate, wenn sich beide Partner mit mindestens zwei Monaten beteiligen. Die Einkommensgrenze liegt seit April 2025 bei 175.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen. 2025 bezogen laut Statistischem Bundesamt 1,61 Millionen Menschen Elterngeld, darunter 1,19 Millionen Frauen und 417.000 Männer – ein Rückgang von 13,9 Prozent gegenüber 2021 aufgrund sinkender Geburtenzahlen. Der Väteranteil betrug zuletzt 25,9 Prozent.
Die konkreten Änderungen im Detail
Der Gesetzentwurf von Familienministerin Prien sieht vor, dass die Bezugsdauer von 14 auf zwölf Monate verkürzt wird. „Drei Monate sind zukünftig für jedes Elternteil reserviert“, zitiert das Portal „Politico“ aus dem Entwurf. „Sechs weitere Monate können zwischen den Eltern flexibel aufgeteilt werden.“ Alleinerziehende können weiterhin bis zu zwölf Monate volles Elterngeld erhalten. Der Mindestbetrag steigt von 300 auf 330 Euro, der Höchstbetrag von 1.800 auf 1.900 Euro. Grundsätzlich bleibt es bei 65 Prozent des Nettoeinkommens. Zudem soll das Mutterschutzgesetz geändert werden: Arbeitszeitliche Beschäftigungsverbote werden auf zwölf Monate nach der Entbindung eingeschränkt.
Kritik von Verbänden und Experten
Der Deutsche Frauenrat kritisiert die Kürzungen scharf. Vorsitzende Beate von Miquel warnt: „Die Bundesregierung hat jungen Menschen im Koalitionsvertrag versprochen, ihre Familienplanung mit einer verbesserten Leistung zu stärken. Nun soll im nächsten Jahr allein hier eine halbe Milliarde eingespart werden. Mütter werden diese Kürzungen zulasten der eigenen Berufstätigkeit kompensieren.“ Auch das Zukunftsforum Familie spricht sich gegen die Kürzungen aus und fordert stattdessen eine Anhebung des Mindestbetrags auf 506 Euro mit anschließender Dynamisierung.
Wünsche der Eltern und volkswirtschaftliche Effekte
Eine 2025 veröffentlichte Umfrage der Bertelsmann-Stiftung unter 2.500 Menschen zeigt: 45 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer bevorzugen ein „egalitäres Modell“ mit je sieben Monaten Elternzeit. 39 Prozent unterstützen die bisherige Aufteilung von zwölf Monaten für die Mutter und zwei Monaten für den Vater. Die Autoren der Studie betonen, dass mehr Vätermonate volkswirtschaftlich sinnvoll wären, da Frauen schneller in den Beruf zurückkehren könnten, was den Fachkräftemangel mindern würde. Der häufigste Wunsch der Eltern: „Weniger Behördenkram und eine leichtere Antragstellung“ (44 Prozent). Der Gesetzentwurf befindet sich noch in der Ressortabstimmung; erst nach Einigung in der Regierung befasst sich der Bundestag damit.



