Haitis Fußball-WM: Gewalt, Exil und der Traum vom Tor
Haitis Fußball-WM: Gewalt, Exil und der Traum vom Tor

Der Weg Haitis zur Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist geprägt von Leid, Gewalt und Hoffnung. Trainer Sébastien Migné blickt trotz der schwierigen Umstände optimistisch auf die Vorrundenspiele gegen Schottland, Brasilien und Marokko. „Natürlich ist das eine schwere Gruppe“, sagt der Franzose. „Aber wenn man es positiv betrachtet, stehen wir auf jeden Fall im Rampenlicht, was für die Jungs eine riesige Belohnung ist.“

Ein Land im Ausnahmezustand

Haiti, das ärmste Land des amerikanischen Kontinents, leidet unter Bandengewalt, Korruption, Hunger und politischer Instabilität. Rund 90 Prozent der Hauptstadt Port-au-Prince werden von Gangs kontrolliert. Seit Februar 2024 ist das Nationalstadion geschlossen. Internationale Flüge landen nicht mehr. Trainer Migné und Mittelfeldspieler Jean-Ricner Bellegarde waren noch nie in Haiti. „Es ist unmöglich, denn es ist zu gefährlich“, erklärt Migné.

Fußball als Hoffnungsträger

Der Fußball lenkt ab und gibt Hoffnung, besonders für die Jugend. „Gerade für die jungen Menschen, die in Haiti in der aktuellen Situation aufwachsen, gibt das Spiel Glauben“, sagt Bellegarde, der in Frankreich geborene Profi der Wolverhampton Wanderers. Die Heimspiele der WM-Qualifikation fanden in Curacao statt, teilweise vor nur 500 Fans. Auch bei der WM könnten Haitianer aufgrund eines Einreisestopps der USA und hoher Ticketpreise nur vor dem Fernseher mitfiebern.

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Die Stars der Mannschaft

Neben Bellegarde sind Abwehrchef Johny Placide und Stürmer Duckens Nazon die Schlüsselspieler. Nazon erzielte 44 Tore in 78 Länderspielen. Torwart Josué Duverger spielt beim Koblenzer Fünftligisten FC Cosmos. Unter Trainer Migné, der dem Team Disziplin und Zusammenhalt eingeimpft hat, holte Haiti in 24 Spielen durchschnittlich 1,83 Punkte. „In einem Spiel kann alles passieren. Wir wollen mit unseren Spielern eine neue Geschichte schreiben“, so Migné.

Historische WM-Teilnahme

Vor 52 Jahren in Deutschland gab es drei Niederlagen mit einer Torbilanz von 2:14. Der 2008 gestorbene Emmanuel Sanon wurde mit seinen beiden Treffern berühmt. Mit 100 Einsätzen und 47 Toren ist er Rekordnationalspieler. Stürmer Nazon könnte mit drei weiteren Toren zu ihm aufschließen.

Die abenteuerliche Anreise

Nazons Anreise zur WM war besonders gefährlich. Er spielt für den FC Esteghlal im Iran. Ende Februar wollte er in Teheran einen Flieger nach Paris nehmen, um sein WM-Visum zu klären. „Dann sagte uns der Steward, wir sollen raus aus dem Flugzeug, weil gerade der Krieg losgegangen ist“, berichtet Nazon. „Auf einmal bist du nur noch im Überlebensmodus.“ Nur 100 Meter neben ihm schlug eine Rakete ein. Er floh im Auto über 20 Stunden zur Grenze nach Aserbaidschan. „Wir haben vor niemandem Angst. Wir sind bescheiden, aber auch stolz, denn wir sind Haitianer“, sagt Nazon. Sein persönliches Ziel: „Ich möchte bei der WM ein Tor schießen. Es ist mir völlig egal gegen wen.“

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