Haitis steiniger Weg zur WM: Gewalt, Hunger und Exil
Haitis steiniger Weg zur WM: Gewalt, Hunger und Exil

Der Weg Haitis zur Fußball-Weltmeisterschaft ist geprägt von enormen Hürden. Bandengewalt, Hunger und politische Instabilität bestimmen den Alltag im ärmsten Land Amerikas. Trainer Sébastien Migné und einige Spieler haben Haiti noch nie betreten – aus Sicherheitsgründen.

Ein Trainer im Exil

Sébastien Migné, der Trainer Haitis, sieht die WM-Teilnahme mit Optimismus. „Natürlich ist das eine schwere Gruppe“, sagt er mit Blick auf die Gegner Schottland, Brasilien und Marokko. „Aber wenn man es positiv betrachtet, stehen wir auf jeden Fall im Rampenlicht, was für die Jungs eine riesige Belohnung ist.“ Migné lebt nicht in Haiti, weil es zu gefährlich ist. „Es ist unmöglich, denn es ist zu gefährlich“, erklärt er. Internationale Flüge landen nicht mehr in Port-au-Prince.

Humanitäre Katastrophe

Seit Februar 2024 ist das Nationalstadion in der Hauptstadt geschlossen. Rund 90 Prozent der Stadt werden von Gangs kontrolliert. Bandengewalt, Korruption und Hunger prägen das Leben der zwölf Millionen Einwohner. Haiti befindet sich in einer humanitären Katastrophe. Der Fußball lenkt ab und gibt Hoffnung. „Gerade für die jungen Menschen, die in Haiti in der aktuellen Situation aufwachsen, gibt das Spiel Glauben“, sagt Mittelfeldspieler Jean-Ricner Bellegarde.

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Qualifikation unter schwierigen Bedingungen

Die Heimspiele der WM-Qualifikation fanden auf Curacao statt, teilweise vor nur 500 Fans. Wegen eines Einreisestopps der USA dürfen viele Haitianer nicht ins Land. Die zweite WM-Teilnahme nach 1974 werden sie wohl nur vor dem Fernseher verfolgen. Torwart Josué Duverger spielt beim Fünftligisten FC Cosmos in Koblenz.

Stars und Hoffnungsträger

Zu den Stars des Teams gehören Abwehrchef Johny Placide und Stürmer Duckens Nazon, der 44 Tore in 78 Länderspielen erzielt hat. Trainer Migné hat dem Team Disziplin und Zusammenhalt eingeimpft. In 24 Spielen unter ihm holte man im Schnitt 1,83 Punkte. „In einem Spiel kann alles passieren. Wir wollen eine neue Geschichte schreiben“, sagt Migné.

Flucht aus dem Iran

Stürmer Duckens Nazon spielt beim FC Esteghlal im Iran. Ende Februar wollte er nach Paris fliegen, um sein WM-Visum zu beantragen. „Dann sagte uns der Steward, wir sollen raus aus dem Flugzeug, weil gerade der Krieg losgegangen ist“, berichtet Nazon. Eine Rakete schlug nur 100 Meter neben ihm ein. Er floh mit dem Auto über 20 Stunden nach Aserbaidschan. „Wir haben vor niemandem Angst. Wir sind bescheiden, aber auch stolz, denn wir sind Haitianer“, sagt Nazon. Sein Ziel: „Ich möchte bei der WM ein Tor schießen. Es ist mir völlig egal, gegen wen.“

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