Vier Wochen vor dem Saisonstart in der 2. Bundesliga steht Hertha BSC vor einer prekären Situation: Der Hauptstadtklub ist der einzige Profiverein in Deutschland, der bislang keinen einzigen Neuzugang verpflichtet hat. Während die Konkurrenz auf dem Transfermarkt aktiv war, muss Trainer Stefan Leitl (48) seinen ausgedünnten Kader mit zahlreichen Nachwuchsspielern auffüllen. Am 7. August eröffnet Hertha die Saison beim VfL Bochum (20.30 Uhr).
Elf Abgänge, kein Zugang: Herthas Transferbilanz
Nach elf Abgängen in diesem Sommer hat Hertha BSC noch keinen neuen Spieler unter Vertrag genommen. Zum Vergleich: Der VfL Bochum, der Auftaktgegner, verpflichtete bereits acht Neuzugänge. Zweitligist Eintracht Braunschweig holte zehn neue Spieler, Aufsteiger Energie Cottbus acht. Alle anderen Bundesliga-, Zweitliga- und Drittligisten haben sich verstärkt – nur Hertha nicht. Der „Berliner Spar-Club“ muss aus finanziellen Zwängen sparen.
Topspieler verkauft: Reese, Eichhorn und Cuisance weg
Hertha hat in diesem Transferfenster wichtige Leistungsträger abgegeben. Topscorer Fabian Reese (28, 10 Tore, 13 Vorlagen) wechselte für acht Millionen Euro zum VfL Wolfsburg. Das Wunderkind Kennet Eichhorn (16) wurde für knapp neun Millionen Euro an Bayer Leverkusen verkauft. Spielmacher Michael Cuisance (26) ging für fünf Millionen Euro zu RC Lens nach Frankreich. Doch die Einnahmen scheinen nicht auszureichen, um neue Spieler zu verpflichten.
Notstand auf der Linksverteidigerposition
Besonders prekär ist die Situation auf der linken Abwehrseite: Hertha hat keinen gelernten Linksverteidiger mit Profivertrag im Kader. Im Testspiel gegen den SV Lichtenberg (9:0) half Gustav Christensen (21) aus – der Rechtsfuß ist eigentlich offensiver Flügelspieler. Christensen wurde 2023 als Torschützenkönig aus Dänemark verpflichtet, muss nun als Linksverteidiger aushelfen. Später übernahm Mayson Grothe (17), der für Herthas U19 erst drei Spiele absolviert hat.
Leitl verspricht baldige Verstärkung
Auf BILD-Nachfrage äußerte sich Trainer Stefan Leitl zu den fehlenden Neuzugängen: „Es wird bald etwas kommen. Davon gehe ich aus. Schön wäre es, wenn es Richtung Trainingslager passiert.“ Die Uhr tickt: Am 17. Juli reist Hertha ins Trainingslager nach Kitzbühel. Leitl ergänzte: „Wir arbeiten dran und hoffen, dass wir bald etwas verkünden können. Wir müssen zunächst das Vakuum auf einigen Positionen schließen.“
Sturmprobleme: Kownacki weg, Schuler verletzt
Auch im Angriff herrscht Notstand. Der von Werder Bremen ausgeliehene Mittelstürmer Dawid Kownacki (29) ist zurückgekehrt. Luca Schuler (27) fällt mit einer Adduktorenverletzung auf unbestimmte Zeit aus. Damit stehen nur noch Sebastian Grönning (29) – in der Vorsaison Herthas dritte Sturmoption – und Talent Niklas Hildebrandt (18) zur Verfügung.
Weitere Abgänge drohen: Ernst, Gechter und Winkler
Torwart Tjark Ernst, Verteidiger Linus Gechter und Flügelspieler Marten Winkler streben den Sprung in die Bundesliga an und könnten den Verein noch verlassen. Leitl kommentierte: „Geht der eine oder andere noch, müssen wir auch da vorbereitet sein, um zu reagieren.“ Die Personalsituation bleibt angespannt, während die Saison immer näher rückt.



