Das International Football Association Board (IFAB), die offiziellen Regelhüter des internationalen Fußballs, hat einen schwerwiegenden Fehler im WM-Viertelfinale zwischen der Schweiz und Argentinien eingeräumt. Die Gelb-Rote Karte gegen Schweiz-Stürmer Breel Embolo (29) wegen angeblicher Schwalbe war regelwidrig. Der Platzverweis in der 85. Minute beim Stand von 1:1 führte letztlich zur 1:3-Niederlage nach Verlängerung. BILD beantwortet die fünf wichtigsten Fragen zur Panne.
Wie reagiert die Schweiz?
Der Schweizer Fussballverband (SFV) äußerte sich in einem Statement gegenüber „Blick“: „Das Ifab-Zirkular bestätigt uns in unseren ersten Emotionen während und nach dem Spiel gegen Argentinien. Das tut natürlich weh. Am Ergebnis des Spiels lässt sich aber nichts mehr ändern. Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig präzise, einfach verständliche und einheitlich angewendete Spielregeln für den ganzen Fußball sind.“
Hätte ein Einspruch Erfolg?
Ein Einspruch gegen die Viertelfinal-Pleite hat keinerlei Erfolgsaussichten. Erstens liegt kein regeltechnischer Fehler im Sinne der Spielordnung vor – die Schiedsrichterentscheidung war formal korrekt, auch wenn die zugrundeliegende Regelauslegung falsch war. Zweitens ist die Einspruchsfrist längst abgelaufen, die WM ist seit einer Woche beendet.
Wird die Embolo-Sperre aufgehoben?
Stand jetzt: nein. Eine Gelb-Rote Karte zieht automatisch eine Sperre für das nächste Pflichtspiel nach sich. Für Embolo bedeutet das, dass er beim Nations-League-Auftakt der Schweiz Ende September in Nordmazedonien nicht auflaufen darf. Der SFV prüft jedoch juristische Schritte, um die Sperre doch noch zu kippen, da sie auf einer fehlerhaften Regelauslegung basiert.
Wer ist schuld?
Weder Schiedsrichter João Pinheiro (38) noch der Video-Assistent (VAR) trifft eine Schuld. Sie hielten sich an die Vorgaben der FIFA und Schiedsrichter-Chef Pierluigi Collina vor dem Turnier. Die Kritik richtet sich vielmehr gegen IFAB und FIFA. Grund: Das IFAB hatte das VAR-Protokoll erweitert, wonach bei einer Spielerverwechslung auch ein gegnerischer Spieler bestraft werden kann. Diese Regelung war zu schwammig formuliert. Die FIFA interpretierte sie so, dass die Verwechslung auch auf das Vergehen selbst bezogen werden kann – was laut IFAB nun falsch war. Embolo fiel nach seiner Gelb-Roten Karte in Tränen aufgelöst zu Boden.
Warum hat sich das IFAB geäußert?
Offenbar wollten die Regelhüter die Panne präzisieren, nachdem der Fall Embolo weltweit für Diskussionen gesorgt hatte. Bereits in der Vorrunde war die Regel beim Paraguayer Miguel Almirón gegen die USA angewendet worden. Damals handelte es sich aber um die erste Gelbe Karte, nicht um die zweite. Das IFAB betont, dass die Regel nur bei einer Identitätsverwechslung gelten soll, nicht bei einer Verwechslung des Vergehens – ein entscheidender Unterschied, der nun die Schweizer Nationalmannschaft teuer zu stehen kam.
Die FIFA hat angekündigt, die Regelauslegung für künftige Turniere zu überarbeiten. Für die Schweiz und Breel Embolo kommt diese Erkenntnis jedoch zu spät.



