FIFA-Präsident Gianni Infantino hat mit seinem Plan, einen Teil der kommerziellen Rechte an der Weltmeisterschaft an Investoren zu verkaufen, massive Kritik aus Europa ausgelöst. Die UEFA lehnt den Vorstoß entschieden ab und erwägt sogar einen Boykott von FIFA-Wettbewerben. Dabei geht es um eine Summe von etwas mehr als vier Milliarden US-Dollar (rund 3,5 Milliarden Euro).
Infantinos Investoren-Deal: Milliarden gegen Einfluss
Der Fußball-Weltverband teilte mit, dass man einen Minderheitsverkauf der kommerziellen Rechte anstrebe. Der Erlös soll in den Fußball fließen, insbesondere in die kleineren Mitgliedsverbände. Infantino selbst könnte bei Umsetzung des Plans zum Geschäftsführer der neu zu gründenden Tochtergesellschaft FFE werden und so auch nach Ablauf seiner Präsidentschaft am 2031 weiterhin Macht im FIFA-Kosmos ausüben. Dies wäre nicht der erste Versuch: Bereits 2018 scheiterte ein ähnlicher Deal über 25 Milliarden Dollar für eine Club-WM und eine globale Nations League.
UEFA als Bollwerk: Boykott steht im Raum
Die UEFA reagierte mit scharfer Ablehnung. „Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften“, hieß es in einer Stellungnahme. Ein Boykott von FIFA-Wettbewerben wird nicht ausgeschlossen, dementiert wurde er zunächst nicht. UEFA-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke unterstrich die Macht der Europäer: „Bei der WM standen sechs europäische Teams im Viertelfinale und drei im Halbfinale. Wenn sich der europäische Fußball geschlossen gegen die Pläne wehrt, hat das sehr viel Gewicht.“ Die UEFA sieht sich als Hüter des Status quo und hatte schon 2018 sowie bei den Super-League-Plänen 2021 erfolgreich opponiert.
Kleine Verbände als Gewinner: Milliarden für die Basis
Im Gegensatz zur europäischen Ablehnung könnten die kleineren Mitgliedsverbände von Infantinos Plan profitieren. Die FIFA verspricht, dass die Einnahmen pro Mitgliedsstaat sich mehr als verdreifachen könnten – auf durchschnittlich bis zu sieben Millionen US-Dollar pro Jahr bis 2038. „Hier geht es um die Demokratisierung des Fußballs weltweit“, erklärte Infantino. „Wir beabsichtigen, auch in die kleinsten oder entlegensten Teile der Fußballwelt, die zu oft übersehen werden, massiv zu investieren.“ Dies dürfte den Plänen eine Mehrheit unter den 211 Mitgliedsverbänden sichern.
Kritik aus Politik und Verbänden: Verfahren in der Kritik
Doch nicht nur die UEFA ist verärgert. Der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter kritisierte den Vorstoß scharf: „Die enge Beziehung zwischen dem FIFA-Präsidenten und dem US-Präsidenten hat eine finanzielle Dimension angenommen, die dem Fußball erheblichen Schaden zufügt. Niemand hat das Recht, unseren Sport zu verkaufen.“ Auch der nord- und mittelamerikanische Verband Concacaf zeigte sich enttäuscht über die mangelnde Transparenz – man habe erst aus den Medien von dem Deal erfahren. Der britische Premier Andy Burnham ergänzte: „Der Fußball gehört nicht den Investoren.“
Mögliche Folgen für Fans: Mehr Spiele, mehr Turniere?
Konkrete Änderungen für Fans kündigte die FIFA nicht an. Allerdings könnte der Deal den Druck erhöhen, die WM häufiger auszutragen oder das Teilnehmerfeld weiter auszubauen. Das Geschäftsmodell der Investoren basiert auf steigenden Erlösen – mehr Spiele und Turniere würden die Einnahmen erhöhen. Die FIFA betont jedoch, die Kontrolle über Wettbewerbe und Spielkalender zu behalten. Schon zuvor hatte Infantino verkündet, dass die Einnahmen im aktuellen WM-Zyklus auf 15 Milliarden US-Dollar steigen sollen.
Bundesliga als warnendes Beispiel
Ein ähnlicher Versuch in Deutschland scheiterte: Die Deutsche Fußball Liga (DFL) wollte einen Minderheitsinvestor an der Vermarktungsgesellschaft MediaCo beteiligen. Nach massiven Fanprotesten wurden die Pläne Anfang 2024 aufgegeben. Ob Infantinos Vorstoß ähnliche Widerstände auslöst, bleibt abzuwarten. Die Entscheidung liegt nun bei den 211 Mitgliedsverbänden und dem FIFA-Rat.



