Fusionskraftwerk: Deutschland bekommt Chance auf weltweit ersten Reaktor
Erstes Fusionskraftwerk der Welt? Deutschland bekommt Chance

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär gibt am Mittwoch bekannt, wo in Deutschland die sogenannten „Hubs für die Fusion“ entstehen. Es ist der erste konkrete Schritt zur Ansiedlung des weltweit ersten Fusionskraftwerks. Insgesamt fließen bis zu neun Milliarden Euro aus der 18-Milliarden-Hightech-Agenda des Bundes in die Zukunftstechnologie.

Drei Hubs für die Kernfusion

Der erste Hub konzentriert sich auf die Magnetfusion. Unter der Leitung des Start-ups Proxima Fusion und des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP) entsteht in Bayern ein Zentrum, das die bestehenden Forschungsreaktoren in Garching und Greifswald nutzt. Auch Gauss Fusion ist beteiligt. Ziel ist es, Deutschlands führende Rolle bei der Magnettechnologie auszubauen und den Betrieb mit Tritium zu erproben.

Der zweite Hub widmet sich der Laserfusion. In Biblis (Hessen) forscht Focused Energy an industriellen Themen. Ein weiterer Standort in Hamburg und Schleswig-Holstein unter Marvel Fusion und dem European XFEL erforscht die sogenannten Laser-Targets – die Brennstoffkügelchen, die bei der Fusion gezündet werden. Auch die Universität Rostock und das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf sind eingebunden.

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Der dritte Hub am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) befasst sich mit Material- und Brennstoffforschung. Hier geht es um die Entwicklung von Werkstoffen, die Temperaturen über 100 Millionen Grad standhalten, sowie um den Brennstoffkreislauf. Das Bundesministerium sieht diesen Bereich noch im Frühstadium; die Ergebnisse sollen Aufschluss über radioaktiven Müll und Halbwertszeiten geben.

Milliardeninvestitionen und Wirtschaftspotenzial

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat bereits 400 Millionen Euro zugesagt, falls sein Land den Zuschlag bekommt. „Diese Technologie wäre eine ganz neue Option: unbegrenzt verfügbar, sicher und sauber“, sagte Söder dem Handelsblatt. Er fordert vom Bund mehr Hightech-Investitionen, die durch Einsparungen bei Sozialausgaben gegenfinanziert werden sollen.

Eine Deloitte-Studie im Auftrag von Proxima Fusion zeigt das wirtschaftliche Potenzial: 80 Prozent der geschätzten 2,2 Milliarden Euro Projektkosten für einen Demonstrator flössen in deutsche und europäische Lieferketten. Bayern profitiere mit 800 Millionen Euro am stärksten, gefolgt von Nordrhein-Westfalen (310 Millionen), Niedersachsen (270 Millionen) und Baden-Württemberg (205 Millionen). Bis 2029 sollen so bis zu 5100 Arbeitsplätze entstehen.

Zeitplan und weitere Förderung

Ab September können sich Fusionsunternehmen für das „Meilenstein-Programm“ bewerben, das pro Antriebsstrang (Magnet- oder Laserfusion) ein Unternehmen mit bis zu 600 Millionen Euro fördert. Erst Mitte der 2030er-Jahre will die Regierung sich auf einen Ansatz festlegen. Parallel startete das Ministerium das Projekt „Faszination Fusionsforschung“, um die Technologie über Schulen, Kulturstätten und sogar kulinarische Angebote gesellschaftlich zu verankern.

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