Schachboom in Deutschland: 100.000 Mitglieder und Medaillenchancen
Schachboom: 100.000 Mitglieder und Medaillenchancen

Der Deutsche Schachbund (DSB) steht kurz davor, die 100.000-Mitglieder-Marke zu überschreiten. Das gab Präsident Paul Meyer-Dunker auf dem Deutschen Schachgipfel in Dresden bekannt. Der Boom ist vor allem bei Kindern und Jugendlichen spürbar, sodass der Verband keine Nachwuchssorgen hat. Gleichzeitig sieht Meyer-Dunker die deutschen Nationalmannschaften so stark wie lange nicht – mit Medaillenchancen bei der Schacholympiade im September in Usbekistan.

Mitgliederzahlen auf Rekordkurs

„Unsere Mitgliederzahlen entwickeln sich hervorragend. Wir sind kurz davor, die 100.000-Marke zu überschreiten“, sagte Meyer-Dunker der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Bundesweit gibt es rund 2.300 Schachvereine. Die Corona-Delle sei nicht nur ausgeglichen, sondern es habe einen kräftigen Zuwachs gegeben. „Vor allem im Kinder- und Jugendbereich merken wir, dass die Mitgliederzahlen mächtig nach oben gehen. Nachwuchsprobleme haben wir definitiv nicht. Da müssen wir uns keine Sorgen machen.“

In Städten wie Berlin haben manche Vereine aufgrund des Ansturms sogar Warteschlangen für neue Mitglieder eingerichtet. Meyer-Dunker betonte: „Schach wird von sehr vielen Menschen gespielt.“ Neben den Vereinsmitgliedern kämen Millionen hinzu, die online spielten. Die Faszination des Spiels beschrieb er als „wunderschöne Art von Wettkampfsport. Man kann sich in eine Denkaufgabe hineinvertiefen und geistig mit jemandem messen – und das manchmal mehrere Stunden lang.“

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Internationale Erfolge und Medaillenchancen

Nach Ansicht des Präsidenten ist Deutschland im Spitzenbereich der Nationalmannschaften so stark wie seit langem nicht mehr. Mit Vincent Keymer aus Saulheim in Rheinland-Pfalz habe man einen Schachspieler, der zur Weltklasse gehöre. Matthias Blübaum aus Lemgo in Nordrhein-Westfalen, zweifacher Europameister, nahm kürzlich an einem Kandidatenturnier teil, bei dem der Herausforderer des amtierenden Weltmeisters Dommaraju Gukesh aus Indien ermittelt wird.

„Wir haben eine Nationalmannschaft, in der alle in den Top 100 der Welt sind. Das ist ein Team, das bei der Schacholympiade im September in Usbekistan die Chance hat, um eine Medaille mitzuspielen“, sagte Meyer-Dunker. Auch bei den Frauen gebe es mit Elisabeth Pähtz (gebürtig aus Erfurt) und Dinara Wagner (nach Heidelberg gezogen) zwei Spielerinnen mit Spitzenniveau. Die deutschen Frauen hätten bei der Mannschafts-Europameisterschaft erstmals Bronze erkämpft.

Herausforderung: Mehr Frauen für Schach begeistern

Allerdings sieht Meyer-Dunker bei den Frauen noch Nachholbedarf: 90 Prozent der DSB-Mitglieder sind Männer. In den Altersklassen unter 6, 7 und 8 Jahren liege der Mädchenanteil mit etwa einem Drittel am höchsten, bei den Älteren breche die Quote ein. Der Verband denke daher darüber nach, junge Mädchen im Schach künftig besonders zu fördern.

Finanzielle Lage und Zukunftsvisionen

Die finanzielle Situation des Schachbundes sei solide. Allein durch Mitgliedsbeiträge fließe rund eine Million Euro pro Jahr in die Kasse. Hinzu kämen Sponsoreneinnahmen. Der jährliche Gesamtetat liege bei etwa 2,4 Millionen Euro. Dennoch habe der Verband in der Vergangenheit sein Potenzial nicht optimal ausgeschöpft. „Wir machen uns manchmal kleiner, als wir sind. Wir sollten unser Selbstbewusstsein stärker nach außen tragen.“

Meyer-Dunker kündigte an, der Verband wolle öffentlichkeitswirksamer agieren. Man öffne sich für Partner aus der Wirtschaft und für zuschauerorientierte Formate. Als Beispiel nannte er die Kooperation mit Schach-Influencern und Content Creators. Beim Schachgipfel würden Spiele im Livestream kommentiert, um eine breite Masse zu erreichen. 2027 soll der 150. Geburtstag des Deutschen Schachbundes gebührend gefeiert werden.

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