Dresden (dpa/sn) – Die Energiewende in Sachsen steht vor einer Akzeptanzlücke: Zwar befürwortet eine Mehrheit von 56 Prozent der Bürger grundsätzlich erneuerbare Energien, doch sobald Anlagen in der Nachbarschaft entstehen sollen, sinkt die Zustimmung deutlich. Dies geht aus einer repräsentativen Befragung des sächsischen Wirtschaftsministeriums hervor, für die im Oktober und November 1.500 Menschen aus dem Freistaat interviewt wurden.
Große Unentschlossenheit und Ablehnung
Laut der Erhebung sind 28 Prozent der Befragten unentschieden, während 14 Prozent erneuerbare Energien ablehnen. Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) kommentierte: „Die Ergebnisse zeigen klar, dass wir besser erklären, früher einbinden und konkrete Vorteile sichtbarer machen müssen.“ Die Energiewende könne nur erfolgreich sein, wenn sie für die Menschen nachvollziehbar gestaltet werde.
Lokale Akzeptanz: Windkraft besonders umstritten
Die Umfrage offenbart deutliche Unterschiede bei der Zustimmung zu konkreten Anlagentypen in Wohnortnähe. Lediglich 33 Prozent der Sachsen würden den Bau neuer Windräder in ihrer Umgebung akzeptieren, während 42 Prozent dagegen sind. Solaranlagen auf Freiflächen stoßen auf mehr Zustimmung: 46 Prozent befürworten sie, 25 Prozent lehnen sie ab.
Bei konventionellen Energieträgern überwiegt durchweg die Ablehnung. Ein neues Atomkraftwerk in der Nähe würde nur jeder Vierte (25 Prozent) befürworten, 49 Prozent sind dagegen. Noch geringer ist die Zustimmung zu Braunkohlekraftwerken: 16 Prozent dafür, 53 Prozent dagegen.
Handlungsdruck: Sachsen hinkt bei Ausbau hinterher
Panter betonte die strategische Bedeutung der Energiewende: „Eine sichere, bezahlbare und klimafreundliche Energieversorgung ist ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Kriege, Krisen und Großmachtkonflikte zeigen, dass wir uns von fossilen Energieimporten unabhängiger machen müssen.“ Der Handlungsdruck ist hoch: Sachsen erzeugt immer noch zu wenig Strom aus erneuerbaren Quellen, auch im Vergleich zu anderen ostdeutschen Ländern.
Aktuell werden nur 0,3 Prozent der Landesfläche für Windenergie genutzt oder ausgewiesen. Bundesweit vorgeschrieben ist jedoch ein Anteil von 1,3 Prozent bis 2027 und zwei Prozent bis 2032. Um diese Ziele zu erreichen, müsse der Ausbau deutlich beschleunigt werden, so das Ministerium.
Ambivalente Haltung erfordert mehr Bürgerbeteiligung
Die Studie zeigt, dass die generelle Befürwortung erneuerbarer Energien nicht automatisch in lokaler Zustimmung mündet. Vorbehaltlos wird keine Energieform akzeptiert. Experten fordern daher eine frühzeitige Einbindung der Anwohner sowie transparente Informationen über Nutzen und Auswirkungen neuer Anlagen. Nur so könne die notwendige Akzeptanz für den beschleunigten Ausbau geschaffen werden.



