Welterbe-Potenzial in Berlin und Brandenburg: Eine Bestandsaufnahme
Welterbe-Potenzial in Berlin und Brandenburg

Berlin und Brandenburg haben bereits mehrere UNESCO-Welterbestätten, darunter die Museumsinsel, die Schlösser und Gärten zwischen Pfaueninsel und Sanssouci, die Buchenwälder in Grumsin, die ehemalige Gewerkschaftsschule in Bernau (Bauhaus) und sieben Siedlungen der Moderne. Doch das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. Der Architekturkritiker Nikolaus Bernau skizziert in einem Beitrag für den Tagesspiegel zahlreiche weitere Kandidaten, die eine Aufnahme in die Welterbeliste verdienen.

Die Geschichte des Fliegens als Welterbe

Die Entwicklung der Luftfahrt in Berlin reicht von Otto Lilienthals frühen Gleitflügen über den Flughafen Tempelhof, die Blockadebrecher-Flieger während der Berliner Luftbrücke, den Flughafen Tegel bis hin zum neuen Hauptstadtflughafen BER. Diese einzigartige Abfolge von Luftfahrtdenkmälern könnte als transnationale Welterbestätte anerkannt werden. „Die Geschichte des Fliegens – angefangen bei Otto Lilienthal über Tempelhof, den Blockadebrecher-Flieger, Tegel und selbst den BER – ergibt eine lange Liste von gebauten Sensationen, die nur in Berlin so zu erleben sind“, schreibt Bernau.

Braunkohle und drahtlose Kommunikation

Nicht unumstritten, aber historisch bedeutsam sind die gigantischen Braunkohlegruben in der Lausitz. Bernau weist darauf hin, dass die Klimageschichte anders verlaufen wäre ohne ihre Ausbeutung. Ein weiterer Kandidat sind die Denkmäler der drahtlosen Kommunikation: die Großfunkstelle in Nauen, der Telegrafenberg in Potsdam sowie der Funk- und der Fernsehturm in Berlin. Diese könnten an das bestehende Welterbe Langwellensender Grimeton in Schweden anknüpfen oder Teil eines erweiterten Antrags werden.

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Medienarchitektur und Kirchengeschichte

Berlin bietet eine herausragende Medienarchitektur mit Bauten wie dem Mosse-Haus, dem Ullsteinhaus, dem Haus des Rundfunks, dem RIAS-Gebäude und den DDR-Studios in der Nalepastraße. Ein transnationales Welterbe Medienarchitektur wäre denkbar – ähnlich wie ein Antrag zur Christianisierung des slawischen Mitteleuropa, der den Brandenburger Dom, die Kathedrale in Gnesen (Gniezno) und den Meissner Dom umfassen könnte.

Sportarchitektur und moderne jüdische Friedhöfe

Die Sportarchitektur Berlins, insbesondere das Olympiastadion und die Schwimmhallen der 1920er Jahre, könnte gemeinsam mit ähnlichen Bauten in München, Helsinki und Tokio als Welterbe nominiert werden. Ebenfalls auf der Liste steht der jüdische Friedhof in Weißensee – allerdings nur gemeinsam mit Friedhöfen in Lodz, Thessaloniki, Budapest, Hamburg, Frankfurt, Wien, Amsterdam, Rotterdam, Paris oder Kopenhagen. „Ein Welterbe moderne jüdische Friedhöfe wie den in Weißensee macht Sinn nur zusammen mit anderen“, betont Bernau.

Das gebaute Erbe des Kalten Krieges

Besonders dringlich sei die Aufnahme des gebauten Erbes des Kalten Krieges, darunter die Stalinallee (heute Karl-Marx-Allee), das Hansaviertel als westliche Antwort und die Reste der Berliner Mauer. „Ein schönes und doch belastendes Erbe – nirgends lässt sich die Absurdität des Kalten Kriegs so gut erleben wie in Berlin“, so Bernau. Die Fachleute, die zuvor an der Eintragung der Waldsiedlung Onkel-Toms-Hütte arbeiteten, könnten sich nun diesen Projekten widmen.

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