Der mutmaßliche Terroranschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat Fragen nach der Sicherheit und Zukunft der queeren Veranstaltung aufgeworfen. Alfonso Pantisano, Queerbeauftragter des Berliner Senats, erlebte den Anschlag aus nächster Nähe und sprach mit unserer Redaktion über seine Erlebnisse und die Konsequenzen.
Der Anschlag aus nächster Nähe
Pantisano war am Samstagmittag in der Nähe des Festzugs, als plötzlich Panik ausbrach. „Ich hörte einen lauten Knall und sah Menschen rennen“, schilderte er. Der mutmaßliche Täter soll mit einem Fahrzeug in die Menschenmenge gefahren sein. Mehrere Personen wurden verletzt, einige schwer. Die Polizei nahm den Fahrer noch am Tatort fest. Die Hintergründe sind noch unklar, die Ermittlungsbehörden gehen jedoch von einem terroristischen Hintergrund aus.
Die Reaktion des Queerbeauftragten
„Es ist ein schwarzer Tag für die queere Gemeinschaft“, sagte Pantisano in einem ersten Statement. Er selbst stehe unter Schock, betonte aber die Notwendigkeit, zusammenzustehen. Der CSD sei ein Symbol der Freiheit und Toleranz, das sich nicht von Terror einschüchtern lasse. „Wir dürfen uns nicht verstecken“, so der SPD-Politiker. Der Festzug wurde nach dem Anschlag gestoppt, die Teilnehmer evakuiert. Viele Besucher suchten Schutz in nahe gelegenen Geschäften.
Forderungen nach mehr Sicherheit
Nach dem Anschlag werden Stimmen laut, die eine stärkere Absicherung von Großveranstaltungen fordern. Pantisano plädiert für ein verbessertes Sicherheitskonzept, das jedoch das offene und einladende Wesen des CSD bewahren müsse. „Wir brauchen mehr Polizeipräsenz, aber auch mehr Zivilcourage bei den Besucherinnen und Besuchern“, erklärte er. Zudem müssten queere Einrichtungen besser geschützt werden. Der Berliner Senat hat bereits eine schnelle Aufklärung zugesagt und will in den kommenden Tagen über Konsequenzen beraten.
Zukunft des CSD: Trotz und Vorsicht
Wird der CSD jemals wieder so sein können wie vorher? Diese Frage beschäftigt viele. Pantisano gibt sich kämpferisch: „Der CSD wird weitergehen. Aber wir müssen aus diesem Anschlag lernen.“ Er kündigte Gespräche mit der Polizei und den Veranstaltern an. „Es wird Veränderungen geben, aber wir werden nicht aufgeben.“ Die queere Community habe schon viele Rückschläge erlebt und stehe nun zusammen. Der CSD in Berlin ist eine der größten LGBTQ+-Veranstaltungen Europas und zieht jährlich Hunderttausende an. Gerade deshalb sei es wichtig, dass die Veranstaltung auch in Zukunft ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt setze, so Pantisano.
Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Zeiten der Bedrohung
Der Anschlag hat auch die Politik alarmiert. Vertreter aller Parteien verurteilten die Tat und sprachen der queeren Gemeinschaft ihre Solidarität aus. Pantisano forderte, dass die Gesellschaft insgesamt wachsamer werden müsse. „Hass und Hetze gegen Minderheiten dürfen keinen Platz haben“, sagte er. Er appellierte an die Zivilgesellschaft, sich aktiv gegen Diskriminierung zu stellen. Der mutmaßliche Täter befindet sich in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen zu seinen Motiven dauern an.



