In einem alten Bahnhof in Südhessen hat sich eine der größten Fledermauskolonien Hessens niedergelassen. Mehr als 1.000 Tiere, genauer gesagt rund 1.300, bewohnen das Gebäude im Höchster Stadtteil Mümling-Grumbach. Das teilte Dirk Diehl von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) der Deutschen Presse-Agentur mit. Diehl betreut das Projekt im sogenannten Mausohr-Bahnhof.
Lebensraum und Jagdverhalten
Tagsüber hängen die Fledermäuse unter dem Giebel des Bahnhofs und ruhen sich aus. In der Nacht gehen sie auf die Jagd, wobei sie sich mittels Ultraschall-Echoortung orientieren. Die Kolonie besteht hauptsächlich aus Großen Mausohren, einer der größten heimischen Fledermausarten.
Klimawandel als Bedrohung
Dirk Diehl betonte, dass der Klimawandel den Tieren zunehmend zu schaffen mache. Steigende Temperaturen und längere Trockenperioden beeinträchtigen das Nahrungsangebot, da Insekten, die Hauptnahrung der Fledermäuse, seltener werden. Zudem können extreme Hitze die Tiere in ihren Quartieren stressen.
Die HGON setzt sich für den Schutz der Kolonie ein und informiert die Öffentlichkeit über die Bedeutung der Fledermäuse für das Ökosystem. Der alte Bahnhof bietet ideale Bedingungen: dunkle, zugfreie Räume mit konstanter Temperatur. Die Tiere nutzen das Gebäude als Wochenstube, in der sie ihre Jungen aufziehen.
Schutzmaßnahmen und Zählungen
Regelmäßige Zählungen durch ehrenamtliche Helfer zeigen, dass die Population stabil ist. Allerdings beobachten die Experten, dass die Tiere aufgrund der Klimaerwärmung früher im Jahr aktiv werden und später in den Winterschlaf gehen. Dies könnte langfristig negative Folgen haben.
Der Bahnhof steht unter Naturschutz. Die HGON arbeitet mit der Gemeinde zusammen, um die Tiere vor Störungen zu schützen. Besucher sind angehalten, den Bereich zu meiden, besonders während der Aufzuchtzeit von Mai bis August.



