Neues Album „Reality Awaits“: The Strokes klingen vertraut und doch völlig anders
The Strokes: Neues Album „Reality Awaits“ überrascht

The Strokes sind zurück: Am heutigen Freitag erscheint ihr siebtes Studioalbum „Reality Awaits“. Die Band, die Anfang der 2000er den Indierock prägte und laut Musikerin Karen O den Rock'n'Roll rettete, klingt darauf wie früher und doch völlig anders. Die Deutschlandtermine ihrer Herbsttour sind bereits ausverkauft.

Vom Garagenrock zur New Wave

Mit ihrem Debüt „Is This It“ (2001) veränderten The Strokes die Musiklandschaft: Rock galt damals als aussterbend, während Hip-Hop, Nu Metal und elektronische Musik dominierten. Die New Yorker Band setzte dagegen mit minimalistischen Gitarrenriffs, treibendem Schlagzeug und Julian Casablancas' entrücktem Gesang. Heute sind Songs wie „Last Nite“ oder „Reptilia“ Klassiker, kommerziell waren sie damals jedoch nicht überragend erfolgreich – anders als später etwa Kings of Leon, die sich von den Strokes inspirieren ließen.

Auf „Reality Awaits“ entfernt sich die Band bewusst vom Garagenrock. Der Sound ist New-Wave-lastig, melancholisch und voller Klangexperimente: Spoken-Word-Passagen, Orgeln und Gitarren, die wie Trompeten klingen. Sänger Casablancas setzt weiterhin auf Autotune, etwa die Hälfte des Gesangs ist jedoch unverzerrt. „Wir wollten uns weiterentwickeln“, sagte die Band in einem Interview. „Es geht um Entfremdung in der modernen Welt.“

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Drogen, Kaffee und ein neuer Lebensstil

Die Band war früher für Exzesse bekannt. Gitarrist Albert Hammond Jr. gab dem „Rolling Stone“ zufolge zeitweise 2.000 Dollar pro Woche für Betäubungsmittel aus. Casablancas ersetzte seine Alkoholsucht durch eine Kaffeeabhängigkeit, die ihn so nervös machte, dass sein Management ihm heimlich entkoffeinierten Kaffee servierte. Casablancas wunderte sich über seine plötzliche Koffein-Immunität. Heute leben die Musiker gesünder, was laut Kritikern zur Qualität des neuen Albums beiträgt.

Politische Botschaften und personelle Veränderung

Beim Coachella-Festival 2026 sorgte die Band mit einer Videomontage für Diskussionen: Sie zeigte politische Anschuldigungen gegen die US-Außenpolitik, angebliche CIA-Operationen und Militäreinsätze im Nahen Osten. Auf dem Album selbst stehen jedoch weniger Parolen im Vordergrund, sondern ein diffuses Lebensgefühl. Zudem gab die Band bekannt, dass Gitarrist Nick Valensi eine temporäre Pause einlegt und auf der Tour vertreten wird. Gründe wurden nicht genannt.

Anspieltipps: „Psycho Shit“ bis „Lonely in the Future“

Das Album bietet elf Titel. Hervorzuheben sind die Prog-Rock-Ballade „Psycho Shit“, die nihilistisch-beschwingte Pop-Rock-Single „Going Shopping“ und der treibende Indierock-Song „Dine N'Dash“. Am meisten an frühere Werke erinnert „Lonely in the Future“. Wer Klassiker wie „Last Nite“ sucht, wird nicht fündig – aber ein Gedankenexperiment hilft: Stellt man sich vor, die Songs stammten von einer anderen Band, wirken sie umso besser.

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