Japan vor WM-Duell mit Brasilien: Geheimfavorit mit Siegermentalität
Japan vor WM-Duell mit Brasilien: Geheimfavorit

Japan hat im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft eine historische Chance: Die Blue Samurai treffen am Montag auf Rekordweltmeister Brasilien – und sind keineswegs chancenlos. Das Team von Trainer Hajime Moriyasu ist seit zehn Spielen ungeschlagen, darunter Siege gegen England und Brasilien in der Vorbereitung. In der Vorrunde gab es ein 2:2 gegen die Niederlande, ein 1:1 gegen Schweden und einen 4:0-Erfolg gegen Tunesien.

Japan als Geheimfavorit: Stimmen aus Europa

Die britische BBC fragte vor der WM: „Könnte Japan der Geheimfavorit sein?“ Der Guardian zählte die Blue Samurai zu den drei heißesten Geheimtipps auf den Titel. Auch diese Sportredaktion sah Japan als eines von sieben Teams, das weiterkommen könnte, als man denkt. Nationaltrainer Moriyasu erklärte: „Unser Ziel ist es, die WM 2026 zu gewinnen.“ Abwehrspieler Yukinari Sugawara von Werder Bremen setzte noch einen drauf: „Wir wollen Geschichte schreiben.“

Die Rolle von Tom Byer: Architekt der japanischen Fußballrevolution

Der frühere US-amerikanische Fußballspieler Tom Byer leitet rund 150 Fußballschulen in Japan. Zu seinen Absolventen gehören Ritsu Doan (Eintracht Frankfurt) und Ayase Ueda (Feyenoord Rotterdam). Byer sagt: „Japan hat die talentierteste und beste Mannschaft jemals.“ Gegen Brasilien habe Japan sehr gute Chancen, da die Blue Samurai bereits in einem Testspiel vor Monaten bewiesen hätten, dass sie Brasilien schlagen können. „Brasilien hat mehr Angst vor Japan, als umgekehrt“, so Byer.

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Jugendausbildung: Disziplin, Technik und Kaizen

Die Ausbildung in Japan basiert auf Disziplin, Wiederholung und Perfektion – eine Philosophie namens Kaizen. Sechsjährige trainieren mindestens viermal pro Woche, zwei bis drei Stunden, zwölf Monate im Jahr. Byer sieht dies kritisch: „In Japan wird eine Kultur der Kollateralschäden in Kauf genommen – Verletzungen durch Überbelastung und Burn-out.“ Darüber werde nicht gesprochen, auch nicht in den Medien.

Warum Japan und nicht China oder Südkorea?

Byer nennt zwei Gründe: Erstens habe Japan in der Vergangenheit mehr Geld in die Jugendförderung investiert. China hole jedoch auf – die U17 qualifizierte sich erstmals seit 20 Jahren wieder für die WM. Zweitens setzt Byer auf frühe Ballkontakte: „Kinder müssen so früh wie möglich eine Liebesbeziehung mit dem Ball entwickeln. Das goldene Lernalter ist zwischen zwei und fünf Jahren.“

Byers Medienpräsenz und die nationale Fußballphilosophie

Von 2002 bis 2015 präsentierte Byer in der bekanntesten Frühstückssendung des Landes Tricks und Übungen – insgesamt 3500 Clips. Zudem gibt es eine erfolgreiche Manga-Reihe. Nach der WM 2022 veröffentlichte der japanische Fußballverband die 58-seitige Präsentation „Japan’s Way“, die eine nationale Fußballphilosophie mit dem Ziel vorstellt, bis 2050 Weltmeister zu werden. Byer wäre dann 89 Jahre alt.

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