Jude Bellingham: Vom Störer zum Anführer im englischen Nationalteam
Jude Bellingham: Vom Störer zum Anführer bei England

Jude Bellingham hat sich bei der WM in Nordamerika vom umstrittenen Störer zum unverzichtbaren Anführer der englischen Nationalmannschaft gewandelt. Nach öffentlicher Kritik an seinem Verhalten und Diskussionen über einen Bankplatz führt der 23-Jährige das Team nun mit Toren, Einsatz und Teamgeist an. Beim Achtelfinalsieg gegen Mexiko erzielte er zwei Tore, bereitete ein weiteres vor und verhinderte kurz vor der Halbzeit einen Gegentreffer. Er gewann 60 Prozent seiner Zweikämpfe und lief unermüdlich Räume zu, besonders nach der Roten Karte für Jarell Quansah.

Vom Fallrückzieher-Held zur Läuterung

Vor zwei Jahren gelang Bellingham im EM-Achtelfinale gegen die Slowakei ein spektakulärer Fallrückzieher in der Nachspielzeit – der Höhepunkt eines durchwachsenen Turniers. Damals fiel er vor allem durch Unsportlichkeiten und Starallüren auf: Er schnauzte Mitspieler an, bezeichnete die englische Berichterstattung als „Blödsinn“ und sorgte mit seinem Verhalten für Unmut. Sogar die Mutter von Nationaltrainer Thomas Tuchel beschwerte sich bei ihrem Sohn über Bellinghams Auftreten. Tuchel sagte im Juni 2025 bei „TalkSport“: „Manchmal sieht man die Wut, man sieht den Hunger und die Wut und das Feuer, und das kommt auf eine Art und Weise zum Vorschein, die ein bisschen abstoßend sein kann – zum Beispiel für meine Mutter, wenn sie vor dem Fernseher sitzt.“

Zweifel vor der WM

Vor der WM stand Bellingham erneut in der Kritik. Eine schwierige Saison bei Real Madrid, eine Schulterverletzung und die Nicht-Nominierung im Oktober ließen Zweifel an seinem Teamgeist aufkommen. Tuchel musste mehrmals betonen, dass er kein persönliches Problem mit Bellingham habe: „Jude hat einfach diesen Biss, was eine sehr gute Sache ist, denn man braucht einen gewissen Biss, um die Höhen zu erreichen, die er erreicht hat.“

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Wandlung zum Teamplayer

Bei der WM überzeugt Bellingham nun mit Teamdienlichkeit. Er erfüllt Tuchels Vorgabe, als verkappter Zehner Defensive und Offensive zu vereinen und Stürmer Harry Kane zuzuarbeiten. Neben seinen vier Turniertoren bereitete er einen Treffer vor und öffnete Räume am Sechzehner. Die Befürchtungen, Bellingham und Kane könnten nicht harmonieren, bewahrheiteten sich nicht. „Noch nie war ich stolzer auf eine Mannschaft“, sagte Bellingham nach dem Sieg gegen Mexiko. „Das heute war eine Leistung, die das ganze Land möglich gemacht hat.“

Ausblick auf das Viertelfinale

Am Samstag trifft England im Viertelfinale auf Norwegen (23 Uhr, MagentaTV). Bellinghams Entwicklung dürfte nicht nur die Fans hoffnungsvoll stimmen, sondern auch die Mutter von Thomas Tuchel zufriedenstellen.

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