Kanadas WM-Triumph offenbart Turnier-Konstruktionsfehler
Kanadas WM-Sieg offenbart Turnier-Konstruktionsfehler

Mit einem dramatischen Last-Minute-Tor hat Kanada bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 Geschichte geschrieben. Eustaquio erlöste die Nordamerikaner in der zweiten Minute der Nachspielzeit mit seinem Treffer zum 1:0-Sieg über Südafrika und bescherte dem Co-Gastgeber den Einzug ins Achtelfinale. Es war der erste Sieg in einem K.o.-Spiel bei einer WM für Kanada, nachdem die Mannschaft zuvor erstmals die Gruppenphase überstanden hatte.

Kanada ohne Heimrecht – ein Novum bei einer WM

Doch die Freude über den historischen Erfolg wurde getrübt durch einen Umstand, der die Tücken dieses Turniers offenbart: Kanada spielte in Los Angeles, rund 2000 Kilometer von der eigenen Landesgrenze entfernt. Nie zuvor musste ein WM-Gastgeber ein Spiel außerhalb des eigenen Landes bestreiten. „Es wäre eine ungleich größere Sause geworden, wenn Kanada als Mitausrichter dieses Spiel im eigenen Land hätte spielen können“, kommentiert Benedikt Paetzholdt im Tagesspiegel.

Die Entfernung von Vancouver nach Los Angeles entspricht in etwa der Distanz von Berlin nach Athen oder von München nach Lissabon. Die Fifa hatte ein kompliziertes System entwickelt, um die Paarungen im Sechzehntelfinale zu bestimmen. Kanada hätte als Gruppensieger Heimrecht in Vancouver gehabt, verpasste diese Chance jedoch. „Da hätte es keine Raketenwissenschaft gebraucht, um auch Team Kanada die Chance auf weitere Heimspiele zu ermöglichen“, so Paetzholdt. Denn auch im weiteren Turnierverlauf muss die Mannschaft von Trainer Jesse Marsch in den USA antreten – im Achtelfinale geht es in Houston, Texas, weiter.

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Spannungsbogen überreizt – 72 Vorrundenspiele zuvor

Das Sechzehntelfinale offenbarte zudem ein strukturelles Problem des Turniers: Nach 72 Vorrundenspielen wirkt die zusätzliche Runde überreizt. „Fußballerisch war dieser Zwischengang absolute Magerkost“, urteilt Paetzholdt. Der einzige Spannungsmoment war die Frage, welches Team nach diesem Spiel ausscheiden müsse. Die Statistik unterstreicht die einseitige Ausrichtung des Spiels: Südafrikas Torhüter Ronwen Williams kam auf 91 Ballberührungen – normalerweise liegt der Wert eines Schlussmanns zwischen 30 und 50.

„Es wird bei dieser WM noch das eine oder andere Spiel im Sechzehntelfinale geben, das dem neutralen Beobachter eher schwer zu vermitteln ist“, prophezeit der Kommentator. Die siegreichen Teams werden zwar ausgelassen feiern, doch der Unterschied zu den Kanadiern bleibt: Sie werden sich nicht als Gastgeber ein wenig fremd fühlen.

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