Der ehemalige Mannschaftsarzt von Jürgen Klopp, Dr. Kai-Uwe Hesse, hat dem Hamburger SV geraten, bei der Rückkehr von Mario Vuskovic nach dessen vierjähriger Dopingsperre äußerste Vorsicht walten zu lassen. Der 24-jährige kroatische Innenverteidiger hatte im November 2022 eine positive Dopingprobe abgegeben und wurde daraufhin für vier Jahre gesperrt. Sein Comeback rückt nun näher, doch die Frage, wie schnell ein Profi nach einer so langen Wettkampfpause wieder voll belastbar wird, ist komplex.
Die Einschätzung des Experten
Dr. Kai-Uwe Hesse, der als langjähriger Vertrauensarzt von Jürgen Klopp beim 1. FSV Mainz 05, Borussia Dortmund und dem FC Liverpool gilt, betont, dass die größte Herausforderung nicht die körperliche Fitness, sondern die mentale und koordinative Belastbarkeit sei. „Nach vier Jahren ohne Wettkampf muss der Körper erst wieder lernen, mit maximaler Intensität umzugehen. Die Gefahr von Verletzungen ist in dieser Phase enorm“, so Hesse gegenüber BILD.
Der Mediziner empfiehlt einen gestaffelten Aufbau über mehrere Monate. „Man darf nicht erwarten, dass Vuskovic nach der Sperre sofort 90 Minuten Vollgas geben kann. Der HSV muss ihn langsam an die Belastung heranführen und auf Warnsignale achten.“
Vuskovics bisherige Karriere und Sperre
Mario Vuskovic war 2021 von Hajduk Split zum HSV gewechselt und hatte sich schnell als Stammspieler etabliert. Die positive Probe auf das Blutdopingmittel EPO im November 2022 war ein schwerer Rückschlag für den Club. Die Sperre wurde im Juli 2023 rechtskräftig, sodass Vuskovic bis Juli 2027 keine Pflichtspiele bestreiten darf. Seitdem trainiert er individuell, um seine Grundfitness zu erhalten.
Was der HSV beachten muss
Der HSV steht vor der Herausforderung, Vuskovic wieder in den Kader zu integrieren, ohne ihn zu überlasten. Dr. Hesse rät zu regelmäßigen medizinischen Checks und einer engen Zusammenarbeit mit dem Athletiktraining. „Der Spieler muss sich selbst gut einschätzen, aber der Club muss die Verantwortung übernehmen. Ein zu frühes und zu intensives Training kann langfristige Schäden verursachen.“
Ein weiterer Aspekt ist die psychologische Betreuung. Nach einer so langen Zwangspause und dem öffentlichen Druck durch die Dopingaffäre sei es wichtig, dass Vuskovic Vertrauen in seinen Körper zurückgewinne. „Das Comeback ist nicht nur physisch, sondern auch mental eine große Hürde“, so Hesse.
Ausblick auf die Saison 2027/28
Sollte Vuskovic im Sommer 2027 nach Ablauf seiner Sperre wieder spielberechtigt sein, könnte er in der Saison 2027/28 für den HSV auflaufen. Der Club plant offenbar, ihn schrittweise aufzubauen, möglicherweise zunächst in der zweiten Mannschaft oder mit Kurzeinsätzen. Ob er an seine alte Form anknüpfen kann, bleibt abzuwarten. Dr. Hesse ist optimistisch, aber realistisch: „Wenn er diszipliniert arbeitet und der HSV ihn richtig aufbaut, hat er gute Chancen, wieder ein wertvoller Spieler zu werden. Aber es braucht Geduld – von allen Seiten.“



