Trainer Miroslav Klose lässt sich auch in Gais nahe Bruneck nicht aus der Ruhe bringen. Vor der malerischen Bergkulisse in Südtirol wirkt der 47-Jährige tiefenentspannt, obwohl es durchaus Gründe gäbe, die ihn unruhig schlafen lassen könnten. Etwa, dass ihm in der Sommerpause die komplette Viererkette abhandenkam.
Abgänge der Stamm-Innenverteidiger schmerzen
Neben den Außenverteidigern Henri Koudossou und Berkay Yilmaz, die beide nur ausgeliehen waren, müssen die Franken auch den Verlust von Kapitän Fabio Gruber (1. FSV Mainz) und Luka Lotschoschwili (1. FC Köln) auffangen. Vor allem die beiden Innenverteidiger zählten zu den besten der 2. Fußball-Bundesliga. Im dritten Test am Samstag gegen Drittligist Waldhof Mannheim (3:2) konnte sich weder Neuzugang Alexios Kalogeropoulos, Kapitän der griechischen U21-Nationalmannschaft, noch der bereits in der Winterpause verpflichtete Stjopa Mkrtschjan nachhaltig empfehlen. Der Club möchte daher zeitnah personell nachlegen.
Mikayil Faye soll die Abwehr stabilisieren
Der 22-jährige Mikayil Faye wird zunächst für eine Saison von Stade Rennes ausgeliehen, allerdings hat sich der Club eine Kaufoption gesichert. Der senegalesische Nationalspieler war den Bretonen, die ihn einst vom FC Barcelona verpflichteten, vor zwei Jahren mehr als zehn Millionen Euro Ablöse wert. Danach geriet seine Karriere ins Stocken, bei Klose und dem 1. FC Nürnberg soll es jetzt wieder aufwärtsgehen. Wegen eines ausgefallenen Fluges verzögerte sich seine für Dienstag geplante Verpflichtung zunächst, soll aber spätestens heute perfekt sein.
Weitere Baustellen: Linksverteidiger und Zomas Zukunft
Auch für die linke Abwehrseite wird noch dringend Verstärkung gesucht. Ansonsten scheint das Aufgebot im Gegensatz zu den vergangenen zwei Jahren frühzeitig so gut wie komplett zu sein. Allerdings drohen die Abgänge von Rafael Lubach und Torhüter Jan Reichert, deren Verträge im nächsten Sommer auslaufen und die nur noch heuer gewinnbringend verkauft werden könnten. Hinter Mohamed Zomas Verbleib steht ebenfalls ein Fragezeichen, obwohl der Stürmer noch bis Sommer 2029 an den Club gebunden ist. Seine 14 Tore in der zurückliegenden Spielzeit haben Begehrlichkeiten geweckt. „Stand heute ist alles okay, ich habe nichts gehört“, versichert Klose. Zoma selbst vermeidet ein Bekenntnis: „Wir werden sehen, ich kann nicht in die Zukunft schauen“, sagte er den „Nürnberger Nachrichten“. Sportvorstand Joti Chatzialexiou fordert mindestens 15 Millionen Euro Ablöse für den pfeilschnellen Italiener.
Aufstiegsambitionen trotz Umbau
Trotz der Unwägbarkeiten wähnt sich der Club auf dem richtigen Weg. Ein offizielles Saisonziel gibt es nicht, aber einige sprechen offen von der Ersten Liga. „Jeder Spieler möchte aufsteigen, dafür spielen wir Fußball“, sagt Adam Markhiev. „Wir haben eine gute Mannschaft und einen guten Trainer.“ Klose glaubt, dass sein Team weiter ist als zum vergleichbaren Zeitpunkt 2025: „Das würde ich schon sagen. Ich bin davon überzeugt, dass die Abläufe schon viel früher drin sind, weil die Spieler schon zusammengespielt haben.“ Nur eben nicht mit denen ganz hinten. Aber bis zum Zweitligastart am 9. August gegen Dynamo Dresden ist noch Zeit. Mit etwas mehr Frische und guten Beinen, ist der Trainer überzeugt, „sieht alles nochmal ein bisschen anders aus“.



