Bayer Leverkusen: Droht der Verlust von Schlüsselspieler Edmond Tapsoba?
Edmond Tapsoba hat sich bei Bayer Leverkusen längst zu einer unverzichtbaren Säule in der Defensive entwickelt. In dieser Saison könnte seine Bedeutung für die Werkself sogar noch größer sein als je zuvor. Seine konstante Leistung und seine Ruhe auf dem Platz wecken jedoch auch andernorts Begehrlichkeiten.
Ein ungewöhnlicher Torschützenwettbewerb
Innenverteidiger sind normalerweise keine regelmäßigen Torschützen. Wenn sie jedoch treffen, ist die Freude oft besonders groß und authentisch. Genau das erlebte man am Samstag, als sich Jarell Quansah und Edmond Tapsoba nach dem 4:0-Sieg von Bayer Leverkusen gegen den FC St. Pauli in einer ungewohnten Rolle wiederfanden. Beide Spieler erzielten Tore und halten damit ihren persönlichen Wettbewerb am Leben: eine interne Wette darüber, wer am Ende der Saison mehr Tore auf dem Konto haben wird.
Jarell Quansah bestätigte diese Challenge mit einem breiten Grinsen. „Ich bin glücklich über mein Tor“, sagte der Engländer gegenüber den Vereinsmedien zu seinem 1:0, bei dem er den Ball kraftvoll per Kopf an die Unterkante der Latte setzte. „Aber schade, dass Eddi auch noch getroffen hat“, scherzte Quansah mit Blick auf Tapsobas späteres 3:0 und fügte augenzwinkernd hinzu: „Ich hoffe, ich kann ihn damit ein bisschen pushen.“
Während Quansah seinen zweiten Bundesligatreffer dieser Spielzeit feierte, steht Tapsoba bereits bei vier Toren – dazu kommen zwei Torvorlagen. Diese Bilanz macht ihn nicht nur im internen Duell zum Führenden, sondern auch zum torgefährlichsten Innenverteidiger Europas in dieser Saison. Kein Spieler auf seiner Position war an mehr Treffern direkt beteiligt. Ein klarer Beleg dafür, warum Tapsoba in seiner siebten Saison bei Leverkusen so wertvoll ist wie nie zuvor.
Vom stillen Beobachter zum Führungsspieler
Als Edmond Tapsoba im Januar 2020 vom portugiesischen Klub Vitória Guimaraes nach Leverkusen wechselte, galt er eigentlich als Investition in die Zukunft. Doch der Neuzugang überraschte alle. Er spielte von Beginn an regelmäßig und nahezu ausnahmslos auf hohem Niveau. Tapsoba beeindruckte mit robuster Defensivarbeit, als wäre er schon seit Jahren in der Bundesliga zu Hause: zweikampfstark, erstaunlich ruhig unter Druck, mit sicherem Passspiel und präziser Spieleröffnung.
Fünf Jahre lang bildete er mit Jonathan Tah das stabile Abwehrzentrum der Werkself und krönte diese Zeit 2024 mit der deutschen Meisterschaft und dem Pokalsieg. Doch in dieser Saison hat sich die Konstellation verändert. Tah spielt nun für den FC Bayern, während Tapsoba in Leverkusen geblieben ist – und nun mehr Verantwortung übernehmen muss.
„Ich habe versucht, von Jona zu lernen“, sagte Tapsoba im Sommer. „Dieses Jahr bin ich an der Reihe. Wir haben viel gesprochen, bevor er gegangen ist. Er hat mir gesagt, ich müsse übernehmen und ein Leader werden.“ Diese Aufgabe erfüllt der 27-Jährige nun. Vor Fernsehkameras sieht man ihn weiterhin selten, doch innerhalb der Mannschaft ist sein Einfluss deutlich gewachsen. Dabei hilft ihm, dass er drei Sprachen fließend spricht: Französisch, Englisch und Portugiesisch – dazu noch passables Spanisch. Ein großer Vorteil in einem international geprägten Kader wie dem von Bayer Leverkusen.
Die Zukunft: Bleibt Tapsoba oder sucht er neue Herausforderungen?
Kein Profi aus dem aktuellen Kader hat mehr Pflichtspiele im Trikot der Werkself bestritten als Edmond Tapsoba. Beim 4:0 gegen St. Pauli absolvierte er seine 253. Partie für den Klub. Unter allen ausländischen Spielern der Vereinsgeschichte liegt nur Ex-Torhüter Lukas Hradecky mit 286 Einsätzen noch vor ihm.
Ob Tapsoba diese Marke jemals erreichen oder sogar übertreffen wird, ist jedoch ungewiss. Seine starken Leistungen sind international längst registriert. Für einen vorzeitigen Abschied aus Leverkusen existiert laut Transferexperte Fabrizio Romano eine klare Preisvorstellung: Interessenten müssten etwa 40 Millionen Euro auf den Tisch legen, um ernsthaft ins Gespräch zu kommen. Mehrere, namentlich nicht genannte Klubs sollen bereits Interesse bekundet haben.
Dass jemand die vertraglich verankerte Ausstiegsklausel in Höhe von 95 bis 100 Millionen Euro aktiviert, erscheint derzeit wenig realistisch. Tapsobas Vertrag beim Vizemeister läuft noch bis 2028 – eine komfortable Ausgangsposition für den Klub. Bereits im vergangenen Sommer soll Newcastle United rund 58 Millionen Euro geboten haben. Zuvor wurden auch Paris Saint-Germain und Tottenham Hotspur als potenzielle Abnehmer gehandelt.
Die entscheidende Frage lautet nun: Wagt Tapsoba nach all den Jahren in Leverkusen den nächsten Karriereschritt? Und könnte sich Leverkusen sportlich überhaupt leisten, seinen Abwehrchef ziehen zu lassen? Was es bedeutet, auf ihn zu verzichten, zeigte sich bereits zu Beginn des Jahres. Erst fehlte Tapsoba wegen des Afrika-Cups, anschließend zwang ihn eine Muskelverletzung zur Pause. In dieser Phase entstand auf dem Platz ein spürbares Führungsvakuum.
Ihn über den Sommer hinaus am Rhein zu halten, wird daher von entscheidender Bedeutung sein – für die Vereinsführung, für die Mannschaft und für den weiteren sportlichen Erfolg von Bayer Leverkusen.



