Ein letztes Mal auf dem Platz: Werner Ziebold pfeift mit 90 Jahren sein letztes Spiel
Werner Ziebold, Schiedsrichter des SV Weilertal aus Müllheim in Baden, hat seine Karriere beendet. Mit 90 Jahren ist er nach Angaben des Verbandes der bislang älteste Fußball-Schiedsrichter Südbadens. Mehr als sechs Jahrzehnte stand er auf dem Platz, nun ist Schluss.
Am vergangenen Sonntag leitete er die Kreisliga-Partie des SV Weilertal II gegen den SV Hartheim-Bremgarten II – zumindest für die erste Halbzeit und ein paar Minuten. Dann ließ er sich ablösen. Es war ein emotionaler Abschied.
Eine außergewöhnliche Leistung
Knut Kircher, Geschäftsführer der DFB Schiri GmbH, würdigte Ziebolds Engagement: „Selbst mit 90 Jahren noch auf dem Platz gestanden zu haben, ist eine schier unglaubliche Leistung.“ Dass sich jemand über einen so langen Zeitraum als Schiedsrichter engagiere, erlebe man nur äußerst selten.
Ziebold selbst betont, dass ihm die Arbeit stets Freude bereitet habe: „Man kommt unter die Leute. Man ist immer mit jungen Leuten zusammen auf dem Platz.“ Nur wenn es ruppig wurde und er Karten ziehen musste, mochte er das nicht so gern.
Gesundheitliche Gründe für den Rücktritt
Bis zuletzt hatte Ziebold nicht ans Aufhören gedacht. Im 61. Jahr als Schiedsrichter war er aktiv. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bestätigte, dass er zu den ältesten Unparteiischen in Deutschland zählt. „Körperlich konnte ich das immer noch durchhalten. Ich habe gesagt, solange die Beine mitmachen“, erklärte Ziebold.
Doch nun zwangen ihn gesundheitliche Probleme zum Aufhören: ein lädiertes Knie und seit Dezember Wasser auf der Lunge. „Seit Dezember habe ich leider Wasser auf der Lunge“, erzählt Ziebold. Die Medikamente halfen, aber die Schiri-Rente wurde auch ärztlich verordnet.
Respekt und Anerkennung von Jung und Alt
Für die Vereinsmitglieder ist Ziebold eine Legende. Der 13-jährige Louis Lambracht, Spieler beim SV Weilertal, schwärmt: „Wenn er Freistoß pfeift, wird seine Entscheidung nicht diskutiert.“ Louis meinte, Freudentränen bei Ziebold gesehen zu haben. „Ich fand es halt schon traurig, dass er jetzt aufgehört hat.“
Jugendleiterin Sabine Leisinger berichtet, dass die jungen Spieler Ziebold mit Respekt begegnen. „Die merken ganz schnell, dass er keine Faxen erlaubt.“ Der Verein verliert mit Ziebolds Abschied eine verlässliche Option für die Schiedsrichter-Rolle. „Meine eigene Mutter ist 88. Die würde das nie schaffen“, sagt Leisinger. „Er hat es sich verdient. Er kann jetzt aufhören. Aber emotional ist es schon.“
Der letzte Pfiff
Nach dem 1:1 des SV Weilertal II gegen den SC Hartheim-Bremgarten II wird Ziebolds Pfeife auf dem grünen Rasen nicht mehr ertönen. Sein letzter Pfiff sei anstrengend gewesen, berichtet er, weil es warm war. Wenn er am Sonntag ein Spiel gepfiffen hatte, trank er die Woche vorher keinen Alkohol. Sein Bier am Sonntag war redlich verdient. „Da ich weiß, dass die Kraft nachlässt, jetzt mit 90, bin ich ganz zufrieden“, so sein Resümee.



