Dass im Waschhaus einmal die New Yorker Hardcore-Band Madball spielen würde, hätte vor Jahrzehnten niemand gedacht. Doch am Donnerstagabend war es soweit: Der kleine Saal war ausverkauft, was dem Konzert eine außergewöhnlich familiäre Atmosphäre verlieh.
Rückblick in die 1990er-Jahre
In den 1990ern waren die USA ein gigantisches Gewächshaus für Rebellionen. Bill Clinton war Präsident, Musikvideos liefen nur auf MTV – und mitten hinein platzte der New York Hardcore (NYHC) als popkultureller Gegenentwurf. Punk war bereits in den 80ern abgeebbt und ohnehin eine britische Erfindung. NYHC hingegen wirkte authentischer, nicht zuletzt weil sich die Bands aus prekären Verhältnissen rekrutierten.
Madball war einer dieser rebellischen Antipoden zum Hip-Hop, der damals mehrheitlich der afroamerikanischen Szene zugeordnet wurde. Hardcore wurde zur wutgefeuerten Antwort, größtenteils als „weißes“ und männliches Privileg. Stilprägend waren gitarrenlastige Metal-Elemente, die inhaltlich oft eine gewisse Gewaltaffinität zelebrierten – verpönt wurde das erst wesentlich später.
Die Gegenwart: Madball und ihre Epigonen
Mittlerweile sind die Grenzen verwischt, doch Bands wie Agnostic Front oder Sick Of It All stehen immer noch auf den Bühnen – und Madball natürlich auch. Die Berliner Vorband „Ghetto Justice“ glänzte mit plakativem Namen, fetten Brettriffs und heiserem Gesang. Der Sänger beherrschte nicht nur den wütenden NYHC-Blick, sondern trug auch ein Shirt mit der Aufschrift „Lang lebe die Kiez-Kneipe!“.
Madball selbst zeigte keine Spur von Altersschwäche. Die Gitarre schob sich tiefgestimmt vor das Schlagzeug mit brechend-metallischen Riffs. Sänger Freddy Cricien – Halbbruder von Agnostic-Front-Sänger Roger Miret – nutzte den Boden als Sprungschanze, rannte und sprang pausenlos über die kleine Bühne. Sein wütend-heiseres Bellen quetschte sich zwischen bullernden Bass und sägende Gitarre, eingerahmt vom nach vorn treibenden Schlagzeug. Was für ein Konzert!
Gemeinsam altern, gemeinsam feiern
Wer gemeinsam altert, kann auch gemeinsam feiern. Gut nassgeschwitzt ging es nach dem Konzert zurück in die laue Sommernacht Potsdams. Solche Abende dürfte es öfter geben.



