Marokkos Chef Bouaddi: Mathe-Student und Millionen-Talent bei der WM
Marokkos Chef Bouaddi: Mathe-Student und Millionen-Talent

Mit 18 Jahren ist Ayyoub Bouaddi der Chef im Mittelfeld der marokkanischen Nationalmannschaft – und nebenbei Mathematik-Student. Im WM-Viertelfinale am Donnerstag (22.00 Uhr/ARD und MagentaTV) trifft er mit Marokko auf sein Geburtsland Frankreich. Der Nationenwechsel liegt erst zwei Monate zurück, und nach seinen Auftritten bei der Endrunde fragen sich französische Fußball-Fans, ob ihnen ein Jahrhunderttalent entgangen ist.

Vom französischen U21-Kapitän zum marokkanischen Chef

Bouaddi durchlief alle französischen Juniorenmannschaften und war zuletzt Kapitän der U21. Frankreichs designierter Nationaltrainer Zinédine Zidane versuchte noch, ihn von einem Wechsel abzuhalten, aber Garantien wollte die Fußball-Ikone nicht geben. Da Frankreichs aktueller Coach Didier Deschamps den 18-Jährigen für nicht WM-reif hielt, entschied sich Bouaddi für Marokko, die Heimat seiner Eltern. „In seinem Jahrgang ist er einzigartig“, sagte Hubert Fournier, Technischer Direktor des französischen Verbands FFF. „Es ist ein bedeutender Verlust. Aber es war seine Entscheidung.“

Schon im ersten WM-Spiel gegen Brasilien war Bouaddi der beste Spieler auf dem Platz. Er strahlte enorme Ruhe aus, brachte fast 91 Prozent seiner Pässe an den Mann und zeigte ein Stellungsspiel, das andere Profis nie entwickeln. Sein Spitzname ist bereits „Le Chef“. Nationaltrainer Mohamed Ouahbi lobte: „Für sein erstes Länderspiel auf diesem Niveau war seine Leistung stark.“

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Mathe-Student und Redekunst-Sieger

Bouaddi ist nicht nur fußballerisch herausragend, sondern auch intellektuell. Sein ehemaliger Sportlehrer Olivier Omont sagte der „L'Équipe“: „Wenn ich heute mit Eltern spreche, zeige ich immer eine PowerPoint-Präsentation mit Ayyoubs Zeugnis. Sie sind sprachlos, so außergewöhnlich war er in allen Fächern.“ Das Abitur legte er ein Jahr früher ab. Heute studiert er per Fernstudium Mathematik in Marseille. „Das Ziel ist es, Axiome und Prinzipien zu beweisen: Man hat eine Aussage und muss versuchen, sie zu beweisen“, erklärte er seine Spezialisierung auf arithmetische Probleme.

Bereits mit 15 Jahren gewann Bouaddi einen Redekunstwettbewerb im Élysée-Palast. Den Preis überreichte Frankreichs Premiere Dame Brigitte Macron. Thema seines Vortrags: „Ist das Ergebnis besser als die Art und Weise?“

Aufstieg zum Profi und Millionengebot

Mit 16 Jahren und drei Tagen debütierte Bouaddi im Europapokal für den OSC Lille – einer der jüngsten Spieler überhaupt. Nach nur einer Woche im Mannschaftstraining beorderte ihn der Trainer in die Startelf. Längst buhlen Europas Großclubs um ihn. Die Ablöseforderungen von Lille steigen wöchentlich: von 50 auf mittlerweile 70 Millionen Euro. Mit jedem WM-Spiel wird der Wunderknabe teurer. Marokko träumt vom Endspiel – und Bouaddi ist der Architekt dieses Traums.

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