Mehr als zwei Wochen nach dem Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2026 ist die Enttäuschung noch immer groß. Julian Nagelsmann ist inzwischen als Bundestrainer zurückgetreten, Jürgen Klopp gilt als Wunschkandidat für seine Nachfolge. Doch auch ehemalige Nationalspieler beschäftigen sich weiter mit den Ursachen des Scheiterns. Weltmeister Thomas Müller, derzeit als Experte für MagentaTV im Einsatz, äußert sich im Podcast „Kerners 11“ von Johannes B. Kerner ausführlich zur sportlichen Analyse.
Müller sieht Probleme bei der Rollenverteilung
Für den langjährigen Nationalspieler liegt ein zentraler Punkt in der Positionsfindung der deutschen Topspieler. Müller erklärt: „Wir haben nicht unbedingt das Gefühl entwickelt, wo unsere Superstars spielen müssen. Und wir haben uns auch schwergetan, zu entscheiden. Musiala, Wirtz, wer spielt jetzt eigentlich wo? Wir wissen, dass beide gerne im Zentrum spielen. Dann gibt es immer wieder die Diskussion, ob Kai Havertz wirklich ein Mittelstürmer ist oder nicht.“
Neben Jamal Musiala, Florian Wirtz und Kai Havertz spricht Müller auch über Joshua Kimmich. Vor allem dessen Einsatz als Rechtsverteidiger hinterfragt er: „Wo platziere ich meine Säulen, weil Kimmich war natürlich eine klare Säule. Aber platziere ich meine Säule auf einer Position, in der er gar nicht so säulig sein kann? Das ist bei anderen Nationen völlig anders. Da spielt der Superstar dort, wo er der Superstar auch im Klub ist.“
Zwar könne Kimmich auf der rechten Abwehrseite in bestimmten Spielen seine Qualitäten einbringen – insbesondere gegen Gegner, die Deutschland kaum unter Druck setzen. Dennoch sieht Müller grundsätzlichen Diskussionsbedarf: „Wenn du überlegst, dass unsere Topspieler auf fachfremden Positionen spielen oder zumindest auf angepassten, dann ist das Konzept vielleicht auch falsch aufgesetzt. Dann muss ich vielleicht eher damit leben, dass ich einen Hauch weniger Qualität auf dem Platz habe.“
Vergleich mit den Top-Nationen
Mit Blick auf die Konkurrenz nennt Müller insbesondere Spanien, England und Frankreich als positive Beispiele. Dort würden die besten Spieler regelmäßig auf ihren stärksten Positionen eingesetzt. Sein Fazit fällt entsprechend deutlich aus: „Wir haben weniger starke Superstars. Wir haben Potenzial, aber es geht darum, wer kann es schon abliefern. Und da sind andere Nationen und andere Spieler einfach weiter.“
Genau diesen Rückstand gilt es aus deutscher Sicht in den kommenden Jahren aufzuholen – aller Voraussicht nach unter einem neuen Bundestrainer. Klopp ist der klare Favorit auf die Nachfolge von Nagelsmann.



