Olympia-Silber löst Familienstreit aus: Kritik an emotionaler Widmung für verstorbenen Freund
Eigentlich sollte es der emotionalste Moment seiner Karriere sein. Giovanni Franzoni jubelt über Olympia-Silber in der Abfahrt in Cortina d'Ampezzo und widmet seine Medaille seinem verstorbenen Freund und Teamkollegen Matteo Franzoso. Doch statt nur Rührung sorgt die Geste für heftige Spannungen und einen öffentlichen Familienstreit.
Eine Geste der Verbundenheit trifft auf Empörung
Franzoni hatte nach seinem Erfolg erklärt, dass er die Medaille seinem im September 2025 tödlich verunglückten Freund widmet. Der Ski-Profi trug sogar ein Tattoo mit dessen letzter Zwischenzeit als bleibende Erinnerung. Eine Geste, die als Zeichen tiefer Verbundenheit gedacht war. Der tragische Unfall liegt erst wenige Monate zurück. Am 13. September 2025 stürzte Matteo Franzoso bei einem Training in Chile schwer, rutschte unter einem Sicherheitsnetz hindurch und prallte gegen einen Windfang. Dabei zog er sich schwerste Kopfverletzungen zu. Nach einer Erstversorgung wurde er in eine Klinik nach Santiago de Chile geflogen und dort ins künstliche Koma versetzt. Zwei Tage später, am 15. September – einen Tag vor seinem 26. Geburtstag – starb er an den Folgen des Unfalls. Bestattet wurde er in Sestriere, Italien.
Familie des Verstorbenen reagiert mit harten Vorwürfen
Doch ausgerechnet die Familie des Verstorbenen reagiert empört. Matteos Bruder Michele schrieb öffentlich: „Jemand behauptet, sein Bruder zu sein, aber sein einziger Bruder bin ich. Das ist respektlos und sehr egoistisch.“ Auch Mutter Olga verbreitete den Post. Ein harter Vorwurf – dem Alessandro Franzoni, der Zwillingsbruder von Giovanni, öffentlich widersprach. „Es geht nicht um mediale Aufmerksamkeit. Sie sollten sich darüber freuen, was Giovanni gemacht hat. Stattdessen sorgen Sie nur für noch mehr Schmerz und Wut“, erklärte er. Außerdem verteidigte er die Entscheidung seines Bruders, nach dem Unfall in Chile zu bleiben.
Vater des Verstorbenen kritisiert Abwesenheit bei Beerdigung
Inzwischen meldete sich auch Marcello Franzoso, der Vater des Verstorbenen, zu Wort. In einem Interview mit der Zeitung „Repubblica“ kritisierte er erneut, dass Franzoni nicht an der Beerdigung seines Sohnes teilgenommen hatte. „Franzoni war nicht dabei, weil sich fünf Teammitglieder dafür entschieden hatten, in Chile zu bleiben und zu trainieren. Genau das können wir bis heute nicht wirklich akzeptieren“, erklärte er. Trotz aller Kritik versuchte der Vater, die Situation einzuordnen. „Es soll klar sein: Franzoni trägt keine Schuld – es war die Reaktion eines Jungen, der seinen Bruder verloren hat. Aber warum hat er uns nie angerufen, sondern uns schreiben lassen?“
Schwere Vorwürfe gegen den Skiverband
Gleichzeitig erhob er schwere Vorwürfe gegen den Skiverband. Die Familie fühle sich allein gelassen. „Das eigentliche Problem bleibt jedoch die Haltung des Verbandes. Sie wollen das, was Fahrlässigkeit war, als Zufall darstellen. Auf dieser Bahn gab es keine Schutzvorrichtungen, nicht einmal die Mindestanforderungen an die Sicherheit wurden erfüllt. Wir wollen Gerechtigkeit und eine Entschuldigung.“ So wird aus einer emotional gemeinten Olympia-Geste ein familiärer Konflikt – und ein Streit, der weit über die Medaille hinausgeht und grundlegende Fragen zur Sicherheit im Profisport aufwirft.



