Politik-Knall um DFB-Reform: Ost-Ministerpräsidenten fordern Kompassmodell
Ost-Ministerpräsidenten fordern DFB-Reform

Sechs Ministerpräsidenten der ostdeutschen Bundesländer haben in einer gemeinsamen Erklärung den Deutschen Fußball-Bund (DFB) aufgefordert, das sogenannte Kompassmodell zur Reform der Regionalliga zu beschließen und umzusetzen. Die Erklärung liegt dem MDR vor. Die Regierungschefs kritisieren die bisherige Regelung als „dauerhaft nicht sachgerecht“ und fordern eine Neuordnung der vierthöchsten Spielklasse.

Kompassmodell soll Aufstiegsungerechtigkeit beseitigen

Das Kompassmodell sieht vor, die fünf Staffeln der Regionalliga auf vier zu reduzieren, sodass alle Meister direkt in die 3. Liga aufsteigen können. Bislang durften nur die Sieger der Regionen West und Südwest aufsteigen, während die Meister aus Bayern, dem Norden und Osten in zwei von drei Jahren eine Relegation untereinander austragen mussten. Dadurch blieb stets ein Meister der Aufstieg verwehrt.

Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU), der die Initiative gemeinsam mit seinen Kollegen angestoßen hatte, sagte dem MDR: „Strukturelle Ungleichheiten beseitigt man nur mit strukturellen Reformen. Die Regionalliga darf für unsere Traditionsvereine keine gläserne Decke auf dem Weg in den Profifußball bleiben.“ Neben Voigt unterstützen auch Michael Kretschmer (CDU/Sachsen), Sven Schulze (CDU/Sachsen-Anhalt), Kai Wegner (CDU/Berlin), Dietmar Woidke (SPD/Brandenburg) und Manuela Schwesig (SPD/Mecklenburg-Vorpommern) die Forderung.

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Politik greift in Fußball-Debatte ein

Dass sich die Politik mit solcher Vehemenz in eine fußballinterne Debatte einschaltet, ist in der Bundesrepublik beispiellos. Die ostdeutschen Länder betonen, es gehe nicht um eine neue Ost-West-Diskussion, sondern um faire Wettbewerbsbedingungen für alle Vereine. Auch Bayern und der Norden sind von der Regelung betroffen. Die Regionalverbände im DFB hatten eine Lösung lange blockiert.

Fall Lok Leipzig als Auslöser

Ein konkreter Fall, der Wellen schlug, ist der des 1. FC Lokomotive Leipzig. Der sächsische Traditionsverein gewann seit 2020 drei Mal die Meisterschaft in der Regionalliga Nordost, durfte aber nie in die 3. Liga aufsteigen. Dabei investierte der Klub Millionen Euro – auch mit politischer Förderung – in sein Stadion und die Infrastruktur, um alle DFB-Auflagen für den Profifußball zu erfüllen. Zudem engagierte sich Lok Leipzig mit Anti-Rassismus-Kampagnen gegen Fan-Probleme.

Kurios: Als dem TSV 1860 München die Drittliga-Lizenz entzogen wurde, durfte Leipzig nicht als fünfter Meister nachrücken. Stattdessen erhielt der sportliche Absteiger TSV Havelse den Zuschlag, obwohl dieser bereits Tribünen in seinem Ausweichstadion abgebaut hatte.

Wirtschaftliche Bedeutung für Regionen

Die Beispiele erzürnen die Politik, da die Präsenz von Vereinen in höheren Ligen wirtschaftliche Effekte für die Regionen hat – etwa durch Hotelübernachtungen, Gastronomie und Imagegewinn. Laut BILD-Informationen geht es letztlich um Arbeitsplätze und die Identität der Städte. Die sechs CDU- und SPD-geführten Landesregierungen haben daher ein parteiübergreifendes Signal gesetzt, das der DFB und seine Regionalverbände nicht ignorieren können. Experten werfen den DFB-Vize-Bossen und Landesverbandspräsidenten wie Dr. Christoph Kern (Bayern) schwerwiegende Strukturfehler vor.

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