Das von heftigen Debatten begleitete „Pride Match“ zwischen dem Iran und Ägypten endete am Dienstag in Seattle mit einem 1:1-Unentschieden. Trotz der politischen Kontroversen und des Drucks von außen wahrt der Iran damit die Chance auf den erstmaligen Einzug in die K.o.-Phase einer Fußball-Weltmeisterschaft. Die Mannschaft von Trainer Amir Ghalenoei zeigte sich widerstandsfähig und erkämpfte sich einen Punkt gegen das Team um Superstar Mohamed Salah, für das der Einzug ins Sechzehntelfinale bereits vor der Partie feststand.
Spielverlauf und Schlüsselmomente
Im WM-Stadion von Seattle traf Mahmoud Saber für Ägypten bereits in der 5. Minute zur frühen Führung. Der Iran ließ sich jedoch nicht schocken und glich nur neun Minuten später durch Ramin Rezaeian aus. Zuvor war Mehdi Taremi mit einem Foulelfmeter an Ägyptens Torwart Ufa Schobeir gescheitert (11. Minute). In einer dramatischen Schlussphase hatte der Iran zudem Pech mit einem aberkannten Treffer von Shojae Khalilzadeh (90.+3) wegen Abseits sowie zwei Lattentreffern.
„Wir haben alles gegeben und hätten den Sieg verdient gehabt“, sagte ein sichtlich enttäuschter iranischer Mittelfeldspieler nach dem Spiel. „Aber wir sind noch im Rennen und werden alles für das nächste Spiel geben.“ Ägyptens Trainer Hossam Hassan zeigte sich ebenfalls zufrieden: „Es war ein intensives Spiel gegen einen starken Gegner. Wir haben unser Ziel erreicht und sind weiter.“
Politische Proteste und Pride-Debatte
Bereits Monate vor dem Spiel hatten die lokalen Organisatoren die Partie als „Pride Match“ im Rahmen des „Pride Fest“ ausgerufen, was sowohl im Iran als auch in Ägypten auf heftigen Widerstand stieß. Beide Länder protestierten erfolglos gegen das Label, da sie die Werte der LGBTQI+-Gemeinschaft nicht teilen. Im Stadion und rund um die Arena waren dennoch nur vereinzelt Regenbogenfahnen und bunt geschminkte Fans zu sehen. Die FIFA selbst beteiligte sich nicht an Aktionen unter dem Pride-Motto.
Stattdessen prägte die politische Lage das Geschehen. Bei der iranischen Hymne waren Pfiffe zu hören, und vor dem Stadion demonstrierten Menschen für einen „Regimewechsel im Iran“, für Frieden und gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump. Dabei kam es vereinzelt zu hitzigen Auseinandersetzungen. Auch das politische Verhältnis zwischen dem Iran und Ägypten ist kompliziert, auch wenn es sich zuletzt leicht verbessert hatte.
Tabellenkonstellation und Ausblick
Durch das Unentschieden bleibt der Iran als Gruppendritter mit drei Punkten im Rennen um den Einzug in die K.o.-Runde. Hinter dem punktgleichen Belgien belegt Ägypten aufgrund des schlechteren Torverhältnisses Rang zwei. Der Iran benötigt im letzten Gruppenspiel einen Sieg, um erstmals in seiner WM-Geschichte die Vorrunde zu überstehen – und das vor dem Hintergrund des anhaltenden Krieges der USA und Israels gegen das Land. Die Mannschaft von Trainer Ghalenoei hat gezeigt, dass sie auch unter schwierigen Bedingungen bestehen kann.



