Eine Frau tötet ihren Mann beim abendlichen Fernsehen mit einem Messerstich in den Hals – aus Wut über jahrelanges Schweigen. „Er hat ums Verrecken nicht mit mir geredet“, gesteht sie später dem Gerichtspsychiater Reinhard Haller. Dieser Fall zeigt, wie toxisch Sprachlosigkeit in Beziehungen werden kann. Haller, der in seiner Praxis in Feldkirch (Österreich) arbeitet, bezeichnet Schweigen als „Beziehungskiller Nummer eins“.
Wenn Schweigen zur Waffe wird
Nicht jedes Schweigen endet in einer solchen Tragödie, doch als Machtinstrument kann es Beziehungen zerstören. Haller unterscheidet zwischen schweigenden Menschen, die Konflikte vermeiden, und solchen, die bewusst schweigen, um zu bestrafen. Letzteres sei besonders gefährlich. „Der Schweigende entzieht sich der Kommunikation und zwingt den anderen in eine ohnmächtige Position“, erklärt der Psychiater. Wer darunter leidet, sollte das Gespräch suchen – notfalls mit professioneller Hilfe.
Neuer SPIEGEL-Newsletter: Aus „Elementarteilchen“ wird „Gut zu wissen“
Der Wissenschaftsnewsletter des SPIEGEL erscheint ab nächster Woche in neuem Format. Aus „Elementarteilchen“ wird „Gut zu wissen“. Künftig beantwortet das Team um Kerstin Kullmann, Guido Kleinhubbert, Julia Koch und Marco Evers Alltagsfragen: Wie bekämpft man Papierfischchen? Leben kleine Hunde länger? Hilft Cola gegen Durchfall? Die gewohnten Leseempfehlungen bleiben erhalten. Bestehende Abonnenten erhalten den Newsletter automatisch. Bis September ist der Zugang kostenlos, danach nur für SPIEGEL+-Kunden.
Weitere Themen der Woche
In Mannheim entsteht die größte Flusswärmepumpe der Welt – ein „Wärmewunder“, wie es heißt. Doch der Bürgermeister warnt, dass die Bundespolitik das Projekt gefährden könnte. In der Pharmakologie warnen Experten vor neuen starken Betäubungsmitteln, die Substanzen beigemischt werden und tödliche Gefahren bergen. Der Psychologe Zhuanghua Shi erklärt, warum Zeit subjektiv mal schnell, mal langsam vergeht – und was das Scrollen auf dem Handy damit zu tun hat.
Nachruf auf ersten afghanischen Astronauten
Abdul Ahad Momand, der 1988 als erster Afghane ins All flog, ist in Deutschland gestorben. Er nahm eine Flagge, zwei Koranausgaben und die Bitte um Frieden mit – doch sein Land hörte nicht zu. In Washington kämpfen Parkranger gegen eine Algenblüte im Reflecting Pool. Und das Bild der Woche zeigt die Ureibe in Steibis (Oberallgäu), die etwa 1100 Jahre alt ist und zum Nationalerbe-Baum ernannt wurde.



