Putins Treibstoffkrise: Russland geht der Sprit aus
Russland geht der Sprit aus: Putins Treibstoffkrise

Russland steckt in einer schweren Treibstoffkrise. Die Regierung in Moskau verhängte einen vorübergehenden Exportstopp für Benzin und Diesel, um die angespannte Versorgungslage im eigenen Land zu entschärfen. Die Maßnahme trat am 21. September 2023 in Kraft und gilt zunächst bis zum 1. Oktober. Betroffen sind alle vier großen Raffinerien des Landes, die zusammen rund 80 Prozent der gesamten Treibstoffproduktion ausmachen.

Ursachen der Krise: Wartungsarbeiten und Ukraine-Krieg

Hauptgrund für den Engpass sind umfangreiche Wartungsarbeiten an mehreren Raffinerien, die zeitgleich durchgeführt werden. Hinzu kommen die Folgen des Ukraine-Kriegs: Westliche Sanktionen erschweren den Import von Ersatzteilen und Technologie, was die Instandhaltung der Anlagen verzögert. „Die Sanktionen treffen die russische Ölindustrie härter als erwartet“, zitiert die russische Nachrichtenagentur TASS einen Analysten der Moskauer Investmentbank Sinara.

Nach Angaben des russischen Energieministeriums sank die Benzinproduktion im August 2023 um 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Dieselproduktion fiel sogar um 9,2 Prozent. Gleichzeitig stieg die Nachfrage aufgrund der Erntezeit und des bevorstehenden Winters deutlich an.

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Auswirkungen auf den russischen Markt

An den Tankstellen in Russland sind die Auswirkungen bereits spürbar. Die Preise für Benzin und Diesel stiegen innerhalb weniger Wochen um bis zu 15 Prozent. In einigen Regionen, insbesondere in Sibirien und im Fernen Osten, kam es zu Hamsterkäufen und zeitweiligen Lieferengpässen. Die Regierung versucht, mit dem Exportstopp die heimische Versorgung zu stabilisieren und die Preise zu senken.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow betonte, dass die Maßnahme vorübergehend sei und man daran arbeite, die Produktion wieder hochzufahren. „Wir sind zuversichtlich, dass die Situation in Kürze unter Kontrolle sein wird“, sagte Peskow der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Internationale Folgen des Exportstopps

Der Exportstopp hat auch Auswirkungen auf die globalen Treibstoffmärkte. Russland ist einer der größten Exporteure von Diesel weltweit. Analysten erwarten, dass die Preise an den internationalen Märkten steigen könnten, insbesondere in Europa, das vor dem Ukraine-Krieg rund 40 Prozent seines Diesels aus Russland bezog. Allerdings haben viele europäische Länder ihre Importe aus Russland aufgrund des Krieges bereits drastisch reduziert.

„Die russische Treibstoffkrise zeigt, wie verwundbar die globale Energieversorgung ist“, kommentierte Fatih Birol, Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur (IEA). „Die Sanktionen gegen Russland und die gleichzeitigen Produktionsausfälle führen zu neuen Unsicherheiten.“

Langfristige Perspektiven für die russische Ölindustrie

Experten sehen die Krise als Symptom tieferliegender Probleme der russischen Ölindustrie. Aufgrund der Sanktionen fehlt es an Investitionen in neue Technologien und Wartung. Die Abhängigkeit von ausländischen Komponenten macht die Branche anfällig. „Ohne eine Modernisierung der Raffinerien wird Russland langfristig Probleme haben, die heimische Nachfrage zu decken“, warnt Michail Krutichin, Analyst beim Energieberatungsunternehmen RusEnergy.

Die russische Regierung kündigte bereits an, zusätzliche Mittel für die Instandhaltung der Raffinerien bereitzustellen. Ob dies ausreicht, um die Krise nachhaltig zu lösen, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die Treibstoffkrise ist ein weiteres Zeichen dafür, dass der Ukraine-Krieg und die westlichen Sanktionen die russische Wirtschaft zunehmend belasten.

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