27 Jurastudierende der University of the South Pacific auf Vanuatu haben mit einer kühnen Idee Geschichte geschrieben: Sie initiierten eine UN-Resolution, die im Juli 2025 zu einem historischen Gutachten des Internationalen Gerichtshofs (IGH) führte. Darin stellte das höchste Gericht der Welt einstimmig fest, dass Klimaschutz eine völkerrechtliche Pflicht ist – kein politisches Ziel. Staaten, die diese Pflicht verletzen, tragen rechtliche Verantwortung und können zu Schadensersatz verpflichtet werden.
Von der Seminaraufgabe zur globalen Bewegung
Die Geschichte begann im März 2019 auf Vanuatu, einem Inselstaat im Pazifik, der massiv unter den Folgen des Klimawandels leidet: Wirbelstürme zerstören Ernten und Häuser, Salzwasser dringt ins Grundwasser ein, der Meeresspiegel steigt. Ein Dozent gab 27 Jurastudierenden die Aufgabe, das ehrgeizigste völkerrechtliche Instrument zu analysieren, das die pazifischen Inselstaaten nutzen könnten, um Klimagerechtigkeit einzufordern. Zugleich sollten sie konkrete juristische Argumente entwickeln, um die Staats- und Regierungschefs des Pacific Islands Forum zu überzeugen.
Die Studierenden entwickelten eine bahnbrechende Idee: Sie wollten ein Gutachten des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag erwirken, das die völkerrechtlichen Pflichten von Staaten im Klimaschutz klärt. Aus dieser Seminararbeit entstand die Initiative „Pacific Islands Students Fighting Climate Change“, die später zum globalen Netzwerk „World’s Youth for Climate Justice“ ausgebaut wurde. Trotz der Corona-Pandemie warb das Netzwerk unermüdlich für die Resolution von Vanuatu.
Erfolg bei der UN und historisches Urteil
Im März 2023 gelang der erste große Erfolg: Die UN-Generalversammlung stimmte der Resolution ohne eine einzige Gegenstimme zu. UN-Generalsekretär António Guterres würdigte „die jungen Menschen, deren moralische Klarheit dazu beigetragen hat, die Welt an diesen Punkt zu bringen.“ Zwei Jahre später, im Juli 2025, fällte der IGH sein einstimmiges Urteil: Klimaschutz ist eine völkerrechtliche Pflicht. Das Gericht stellte klar, dass Staaten für Verstöße haften und zu Schadensersatz verpflichtet werden können.
„Das Engagement, die Ausdauer und die Zuversicht von 27 jungen Menschen geben Anlass zur Begeisterung, ja, sogar zu tiefer Dankbarkeit“, schreibt Johannes Vogel in einer Kolumne. „Ihrer Initiative verdanken wir einen historischen Wendepunkt in der globalen Klimapolitik und die Ermutigung, dass Handeln hilft.“
Auswirkungen für Deutschland und Europa
Das Urteil hat weitreichende Konsequenzen, auch für Deutschland und Europa. „Jetzt ist es an uns, daraus die rechtlichen Konsequenzen zu ziehen“, betont Vogel. Der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und die Wiederherstellung von Natur seien zentral. Die 27 Studierenden hätten gezeigt: „Zukunft gestalten ist möglich.“



