Kurz vor dem WM-Halbfinale zwischen Spanien und Frankreich hat der frühere spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy mit einem Gastbeitrag für heftige Kontroversen gesorgt. In dem Artikel für das Online-Medium El Debate schrieb der konservative Politiker, Frankreich verfüge über einen „Kader von höchstem Niveau. Allerdings ohne Franzosen.“ Die Aussage löste sowohl in Spanien als auch in Frankreich breite Empörung aus.
Reaktionen aus der spanischen Regierung
Der amtierende spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez (PSOE) antwortete umgehend auf Rajoys Äußerungen. Auf der Plattform X schrieb er am Sonntag: „Es gibt Menschen, die Zugehörigkeit immer noch am Nachnamen, am Geburtsort oder an der Hautfarbe messen. Andere messen sie an der Verbundenheit mit einem Land und dem Willen, zu ihm beizutragen.“ Sánchez betonte weiter: „Spanien gehört denen, die es lieben und mit Leben erfüllen. Nicht denen, die es mit fremdenfeindlichen Äußerungen in Verruf bringen. Frankreich, wir sehen uns im Halbfinale. Möge der Bessere gewinnen und der Rassismus verlieren.“
Französische Regierungsmitglieder kritisieren Rajoy scharf
Auch aus der französischen Regierung hagelte es Kritik. Aurore Bergé, Beauftragte für die Bekämpfung von Diskriminierung, beklagte „wiederholte rassistische Entgleisungen“. Noch deutlicher wurde Naïma Moutchou, Ministerin für die Überseegebiete: „Das sind keine ‚Entgleisungen‘. Es ist ein systematischer und verharmloster Hass auf Frankreich und das, was es ist.“ Sie rief den französischen Fußballverband dazu auf, juristische Schritte gegen Rajoy zu prüfen.
Die französische Botschaft in Madrid stellte in einer Mitteilung klar: „Alle Spieler der französischen Nationalmannschaft sind Franzosen. Von den 26 Spielern sind 23 in Frankreich geboren. Die drei, die im Ausland geboren wurden, sind ebenfalls Franzosen.“
Hintergrund: Wiederholte rassistische Äußerungen im Umfeld der WM
Rajoys Vorstoß reiht sich in eine Serie diskriminierender Kommentare über die französische Nationalmannschaft während dieser Weltmeisterschaft ein. Bereits nach Frankreichs Achtelfinalsieg gegen Paraguay hatte die paraguayische Senatorin Celeste Amarilla in sozialen Medien rassistische Äußerungen getätigt und insbesondere Kylian Mbappé angegriffen. Sie behauptete unter anderem, er gebe sich nur als Franzose aus.
Das WM-Halbfinale zwischen Spanien und Frankreich findet am Dienstag um 21 Uhr (MESZ) in Dallas statt. Die Partie wird im ZDF und bei MagentaTV übertragen sowie im Liveticker bei ntv.de verfolgt werden. Sportlich gilt die Begegnung als Duell zweier Titelfavoriten, politisch hat sie durch Rajoys Aussagen zusätzliche Brisanz erhalten.



