Versteckte Kritik von Rangnick: BVB in der Pflicht für Deutsch-Unterricht
Österreichs Teamchef Ralf Rangnick (67) hat nach dem 5:1-Sieg seiner Mannschaft gegen Ghana überraschende Aussagen zur Sprachförderung bei Bundesliga-Vereinen gemacht. Im Zentrum seiner Bemerkungen steht Borussia Dortmund und dessen Mittelfeldspieler Carney Chukwuemeka (22).
Sprachkenntnisse als Thema im Profifußball
Rangnick zeigte sich verwundert darüber, dass Chukwuemeka, der seit über einem Jahr beim BVB unter Vertrag steht, offenbar noch immer kaum Deutsch spricht. „Das muss im Interesse der Klubs liegen“, betonte der erfahrene Trainer. „Sie sollten darauf achten, dass regelmäßig Deutsch-Unterricht stattfindet.“
Der Österreicher verwies auf seine eigenen Erfahrungen bei RB Leipzig und der TSG Hoffenheim: „Dort war das Pflicht – dreimal pro Woche Deutsch-Unterricht. Wer fehlte, wurde behandelt, als hätte er das Training versäumt.“ Gleichzeitig räumte er ein: „Aber jeder Verein handhabt das natürlich anders.“
Chukwuemekas besondere Situation
Rangnick nahm den jungen Spieler jedoch auch in Schutz und verwies auf dessen besondere Umstände. „Für solche Jungs ist es nicht so einfach“, erklärte er. „Weil Englisch wird überall gesprochen, man versteht sie überall. Carney kommt natürlich bei uns in der Gruppe auch mit Englisch klar.“
Dennoch blieb der Trainer bei seiner Verwunderung: „Ich war schon auch ein bisschen überrascht, dass man da in Dortmund bisher noch gar nicht versucht hat, mit ihm Deutsch-Unterricht zu machen.“ Zur Unterstützung habe der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) dem Spieler sogar einen Simultan-Dolmetscher zur Seite gestellt – Physiotherapeut Peter Geigle.
Sportlicher Erfolg trotz Sprachbarrieren
Auf dem Platz ließ Chukwuemeka direkt aufhorchen: Bei seinem Debüt für Österreich erzielte er einen Treffer gegen Ghana und zeigte einen engagierten Auftritt im Mittelfeld. Diese Leistung macht den Österreichern Hoffnung für die anstehende Weltmeisterschaft.
Die Frage, warum Chukwuemeka überhaupt für Österreich spielen darf, erklärt sich durch seine multinationale Herkunft:
- Seine Familie stammt aus Nigeria
- Geboren wurde er im österreichischen Eisenstadt
- Als Kleinkind zog er mit seinen Eltern nach Großbritannien
- Dort wuchs er auf und begann seine Profifußball-Karriere
Sprachförderung als Vereinsaufgabe
Rangnicks Aussagen werfen ein Schlaglicht auf die Integrationsaufgaben von Bundesliga-Vereinen. Während einige Klubs wie Leipzig und Hoffenheim strukturierte Deutschkurse für ihre ausländischen Spieler anbieten, scheint dies beim BVB bisher weniger systematisch umgesetzt zu werden.
Der Österreichische Fußball-Bund geht mit gutem Beispiel voran und hat für Chukwuemeka nicht nur einen Dolmetscher bereitgestellt, sondern auch ein kleines Wörterbuch mit den wichtigsten Vokabeln erstellt. Diese Maßnahmen zeigen, wie Integration im Profisport erfolgreich unterstützt werden kann.



