Schlotterbeck-Aus: Rüdiger-Start zeigt Schwächen in DFB-Abwehr
Schlotterbeck-Aus: Rüdigers Start offenbart DFB-Abwehrprobleme

Das 1:2 gegen Ecuador im letzten WM-Gruppenspiel hat gezeigt, wie sehr der deutschen Nationalmannschaft der „Fuß aus Gold“ von Nico Schlotterbeck fehlt. Der Innenverteidiger fällt mit einer Sprunggelenksverletzung für den Rest des Turniers aus. Für ihn rückte Antonio Rüdiger in die Startelf, doch die Umstellung brachte Probleme mit sich.

Rüdiger übernimmt, aber die Abstimmung hakt

Antonio Rüdiger hob seine rechte Hand, die Innenseite nach außen, dann legte er sie sich kurz auf die Brust und presste die Lippen aneinander. Nur mit der Ruhe, sollte seine Geste heißen. Ich habe alles im Griff. Es war eine knappe Viertelstunde vor Schluss im Spiel gegen Ecuador. Torhüter Manuel Neuer und Jonathan Tah hatten sich beinahe gegenseitig über den Haufen gelaufen. Der Ball war frei und wurde noch einmal in die Mitte gespielt. Aber Rüdiger war da, konnte Moisés Caicedo so unter Druck setzen, dass dieser mit seinem Schuss das Tor verfehlte.

Kurz darauf hatten es die Deutschen nicht mehr im Griff: als Gonzalo Plata nach einer Ecke seinen Fuß im entscheidenden Moment vor Neuer an den Ball brachte und für sein Team den Siegtreffer zum 2:1 erzielte. „Für einen Torwart eine extrem undankbare Situation“, sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Neuers Form und die Abwehrprobleme

Seine Idee mit Manuel Neuer, den er für die Weltmeisterschaft zurückgeholt hat, ist noch nicht aufgegangen. „Bis jetzt ist noch kein Torwartspiel dabei gewesen“, sagte Nagelsmann. Keins, in dem Neuer einen unhaltbaren Ball hält und seine oft gepriesene Aura die gegnerischen Stürmer in die Verzweiflung treibt. Mehr Gegentore als Paraden: So lässt sich das Turnier für den 40-Jährigen bisher zusammenfassen.

In den drei Spielen der Vorrunde haben die Deutschen kein einziges Mal zu null gespielt, nicht mal gegen Curaçao. In den sieben Begegnungen des Jahres 2026 blieb die Nationalmannschaft nur einmal ohne Gegentor – beim 4:0-Sieg gegen die international nur bedingt satisfaktionsfähigen Finnen kurz vor dem Abflug in die USA. „Wir dürfen nicht jedes Spiel ein, zwei Gegentore bekommen“, sagte Kapitän Joshua Kimmich nach der Niederlage gegen Ecuador und dem Ende ihrer Siegesserie.

Die Umstellung in der Viererkette

Für diese Begegnung gab es mildernde Umstände. Es war die erste ohne Nico Schlotterbeck. Für ihn rückte wie erwartet Rüdiger in die Startelf. Doch weil auch Linksverteidiger Nathaniel Brown angeschlagen fehlte und von David Raum ersetzt wurde, war die Hälfte der Viererkette neu. Die Hälfte einer Viererkette, die gar keine richtige Viererkette mehr war.

Die Deutschen verteidigten gegen Ecuador über weite Strecken mit fünf Mann in letzter Linie. „Ich fand, dass das speziell in der ersten Halbzeit ganz gut geklappt hat“, sagte Kimmich, während Nagelsmann konstatierte, dass seine Mannschaft aus dem tiefen Block „keine Chance zugelassen“ habe. Wenn die Vierer- zur Fünferkette wurde, rückte Jonathan Tah von halbrechts in die zentrale Position, Kimmich spielte rechts von ihm, Rüdiger links.

Rüdigers Rolle und Schlotterbecks Vermächtnis

Der Verteidiger von Real Madrid stand erstmals seit September 2025 wieder in der Startelf. In den zehn Begegnungen seitdem war er entweder verletzt gewesen, oder er hatte nur auf der Bank gesessen. Im März hat Rüdiger von Nagelsmann erfahren, dass er für die WM nur als Ersatzmann eingeplant sei. Er hat sich in diese Rolle gefügt – und ist durch Schlotterbecks Verletzung jetzt doch wieder erste Wahl. Vor dem Spiel gegen Ecuador erschien der 33-Jährige als erster Deutscher im Kabinengang. Als könnte er es gar nicht erwarten, dass es endlich losgehe.

Für Rudi Völler, den DFB-Sportdirektor, ist Antonio Rüdiger immer noch „ein Weltklasse-Innenverteidiger“. Seinen Vertrag bei Real hat er gerade erst verlängert. Aber er ist ein anderer Typ Abwehrspieler als Nico Schlotterbeck. Einer, der sich vor allem über seine Körperlichkeit definiert, der hart am Mann ist, aber nicht der strategische Kopf einer Verteidigung.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Vier klärende Aktionen wies die Statistik nach dem Spiel gegen Ecuador für Rüdiger aus: zwei Balleroberungen und fünf von sieben gewonnenen Zweikämpfen am Boden und in der Luft. Seine Passquote war mit 92 Prozent ebenfalls okay. Dass ihm zwei Zuspiele auf David Raum verrutschten, lag laut Nagelsmann „ein bisschen an der Struktur“. Durch das veränderte System war der Mitspieler plötzlich nicht mehr da, wo er gefühlt hätte sein sollen.

Schlotterbecks Ausfall verändert das gesamte Spiel

Aber es ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheinen mag: Ein Weltklasse-Innenverteidiger fällt aus, dann kommt eben ein anderer rein. Durch Schlotterbecks Ausfall verändert sich einiges. Auch die Rolle von Jonathan Tah, der gegen Ecuador sein bisher schwächstes Spiel bei der WM ablieferte. Rüdiger verfügt im Spielaufbau nicht über die Fähigkeiten, die Schlotterbeck besitzt. Nicht von ungefähr hat er seinem Kollegen einen linken Fuß aus Gold bescheinigt, mit dem Schlotterbeck jederzeit präzise Diagonalbälle auf die rechte deutsche Angriffsseite schlagen kann. Rüdiger kann das schon deshalb nicht, weil er Rechtsfuß ist.

Schlotterbecks Fuß aus Gold stellt für den Gegner eine stete Bedrohung dar. Sie mahnt ihn zu einer gewissen Vorsicht. Gegen Ecuador war das nicht der Fall. Julian Nagelsmann sagte: „Ecuador hat gemerkt, dass sie uns höher pressen können.“