Nico Schlotterbeck hat es schlimm erwischt: Der Innenverteidiger fällt mit einem Bänderriss im linken Knöchel für den Rest der Weltmeisterschaft aus. Der 26-Jährige zog sich die Verletzung im Testspiel gegen die Elfenbeinküste (2:1) zu. Bundestrainer Julian Nagelsmann muss nun umdenken – der Teamgeist wird noch wichtiger.
Emotionale Botschaft an die Fans
Nach seinem bitteren WM-Aus sendete Schlotterbeck eine emotionale Nachricht an die deutschen Fußballfans. Seine Social-Media-Botschaft schloss er mit einer Deutschlandfahne und einem Herz. Über seinen eigenen Schmerz und Frust wollte er nicht sprechen – er könne es schlicht noch nicht. „Was jetzt zählt, ist die Mannschaft. Sie verdient die volle Unterstützung aller Deutschen. Lasst uns zusammenstehen und zeigen, dass wir in guten wie in schwierigen Momenten hinter dieser deutschen Mannschaft stehen und sie auf ihrem Weg zum WM-Titel unterstützen“, schrieb Schlotterbeck bei Instagram.
Nagelsmann: „Schlotti wird uns sehr fehlen“
Julian Nagelsmann musste die bittere Nachricht vom Ausfall seines starken Aufbauspielers hinnehmen – ein Turnierschock für den Bundestrainer. „Schlotti wird uns auf dem Platz als herausragender Verteidiger sehr fehlen, vor allem auch sein exzellenter Spielaufbau. Es hätte seine WM werden können“, äußerte Nagelsmann. Fast zwei Tage waren vergangen nach dem folgenschweren Zweikampf, bei dem das Band am linken Knöchel riss. Die Verletzung führt zu einem Ausfall von mehreren Monaten und hat Auswirkungen auf die nächste Bundesliga-Saison bei Borussia Dortmund.
Schlotterbeck bleibt beim Team
Trotz des Ausfalls reist Schlotterbeck nicht nach Dortmund ab, sondern bleibt im WM-Quartier The Graylyn Estate. „Es ist ein schönes Zeichen, dass er zunächst hier im Mannschaftskreis bleibt, denn er hat auch neben dem Platz Einfluss“, sagte Nagelsmann. Die Resthoffnung auf mögliche WM-Einsätze in späten K.o.-Spielen war verflogen. „Wir haben gestern alle versucht, ihn aufzubauen – zum Glück ist er ein sehr positiver Typ, der schon wieder vorausblickt“, so Nagelsmann.
Zweiter Ausfall nach Karl
Der WM-Ausfall Schlotterbecks ist nach der Muskelverletzung von Bayern-Youngster Lennart Karl schon der zweite in den USA. Nimmt man Serge Gnabry hinzu, der schon vor der Nominierung verletzt absagen musste, sind drei potenzielle Stammpositionen betroffen. Aufgrund der FIFA-Statuten kann Nagelsmann keinen Spieler mehr nachnominieren. Dennoch beschwor er die Stärke seines Teams: „Trotz seines Ausfalls sind wir in der Innenverteidigung mit Jonathan Tah, Antonio Rüdiger, Waldemar Anton und Malick Thiaw weiterhin sehr gut aufgestellt für die WM.“
Rüdiger rückt in den Fokus
Vor dem Vorrundenabschluss gegen Ecuador rückt Ex-Abwehrchef Rüdiger in den Blickpunkt, der Schlotterbeck bereits gegen die Elfenbeinküste in der zweiten Hälfte vertrat. Der 33-Jährige hatte sein Reservistendasein klaglos angenommen. „Ich muss für alle Szenarien bereit sein. Ich war bereit“, sagte Rüdiger. Sein Wunsch, dass Schlotterbeck nicht schlimm verletzt sei, erfüllte sich nicht. Zuvor hatte er dem Dortmunder einen linken Fuß „aus Gold“ bescheinigt. Ein Linksfuß fehlt Nagelsmann nun in der Innenverteidigung.
Teamgeist als Schlüssel
Für Schlotterbeck, der seinen Vertrag bei Borussia Dortmund bis 2031 verlängert hat, endet auch die zweite WM mit einer Enttäuschung. 2022 war er beim Vorrundenaus in Katar noch kein Stammspieler. Rückschläge hatte er schon einige: 2025 musste er wegen eines Meniskusrisses fast das halbe Jahr pausieren. „Aber Nico hat im vergangenen Jahr gezeigt, wie er nach einer Verletzung noch stärker zurückkommt. Das wird er auch diesmal, davon sind wir überzeugt“, sagte BVB-Chef Lars Ricken.
Der innere Zusammenhalt wird für den Gruppensieger Deutschland nun noch wichtiger. Die Jubeltraube nach dem Siegtreffer von Deniz Undav gegen die Elfenbeinküste wurde zum Symbol. „Wie da die ganze Mannschaft im Eck lag, das ist schon ein cooles Zeichen und das freut mich super für die Jungs und das kann schon Kräfte freisetzen, definitiv“, sagte Nagelsmann. Kapitän Joshua Kimmich hob die geglückten Einwechslungen hervor: „Wir wussten schon vor dem Turnier, dass unsere Bank sehr, sehr wichtig sein wird. Das war sie heute. Alle Einwechslungen waren überragend.“



