Herthas Grönning nutzt Personalkrise: Drei Tore im Test
Sebastian Grönning nutzt Personalkrise bei Hertha BSC

Sebastian Grönning nahm alles mit. Selbst im entlegensten Winkel des Hans-Zoschke-Stadions im Berliner Stadtteil Lichtenberg ließ er sich noch blicken. Und als der Mittelstürmer von Hertha BSC nach seiner Stadionrunde mit ungezählten Selfies und Autogrammen endlich Richtung Kabine abbog, stellte sich ihm ein Ordner in den Weg. Er fragte auch noch nach einem Autogramm. Mehr als eine halbe Stunde war inzwischen seit dem Abpfiff vergangen, und von Grönnings Kollegen schon lange niemand mehr zu sehen.

Testspiel mit Signalwirkung

Es war nur ein Testspiel in der Saisonvorbereitung gewesen, eine ziemlich eindeutige Sache zudem, die mit einem 9:0-Sieg für Hertha gegen den drei Klassen tiefer spielenden Oberligisten Lichtenberg 47 zu Ende gegangen war. Aber unabhängig vom sportlichen Wert einer solchen Partie und deren eingeschränkter Aussagekraft: Sebastian Grönning, seit einem Jahr Profi des Berliner Fußball-Zweitligisten, genoss den Moment. Und das sichtlich. Drei Tore hatte er in den 45 Minuten, die er auf dem Platz stand, erzielt. „Hätte fünf machen können“, sagte sein Trainer Stefan Leitl später lapidar. Aber, nein, fügte er hinzu, „ist gut, ist wichtig“.

Vier Mal stand Grönning in der vergangenen Saison bei Hertha in der Startelf. So oft hat Herthas dänischer Mittelstürmer solche Glücksmomente schließlich nicht erlebt. In der Zweiten Liga hat er in der vergangenen Saison drei Tore erzielt, das letzte Anfang Oktober, als er beim 2:1-Erfolg gegen Preußen Münster sogar doppelt traf und damit für die Berliner der Mann des Spiels wurde. Doch je länger die Saison dauerte, desto geringer wurden Grönnings Spielanteile. In der Rückrunde kam er nur noch sieben Mal zum Einsatz; sechs Mal davon wurde er eingewechselt. Seinen einzigen Startelfeinsatz hatte der 29-Jährige am letzten Spieltag – beim desaströsen 1:6 gegen den Abstiegskandidaten Arminia Bielefeld.

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Personalsituation als Chance

Im Moment profitiert der Däne von der Gemengelage, die für Hertha durchaus kompliziert ist. Elf Spieler sind seit Saisonende gegangen, die Zahl der neuen beträgt weiterhin: null. Aus der Offensive haben Fabian Reese, der beste Torschütze der vergangenen Spielzeit, und Dawid Kownacki den Klub verlassen. Und weil jetzt auch noch Luca Schuler verletzt ist und laut Trainer Leitl wegen Adduktorenproblemen bis auf Weiteres ausfällt, ist Sebastian Grönning derzeit der einzige gestandene Mittelstürmer im Kader der Berliner.

Derzeit teilt er sich die Spielzeit mit dem erst 18 Jahre alten Rookie Niklas Hildebrandt. Gegen Lichtenberg kamen beide je eine Halbzeit zum Einsatz. Auch Hildebrandt, der für sein Alter schon recht weit ist, vor allem körperlich, war als Torschütze erfolgreich. Unmittelbar vor der Pause traf er zum 3:0-Halbzeitstand. Am Saisonende läuft sein Vertrag aus. Für Grönning bietet die aktuelle Konstellation zumindest die Chance, sich in Position zu bringen. Es ist seine zweite – und letzte. Nach der Saison läuft sein Vertrag bei Hertha aus. Vor einem Jahr ist es Grönning nur bedingt gelungen, sich für eine tragende Rolle zu empfehlen. Damals war er vom Drittligisten FC Ingolstadt gekommen, wo er durchaus verlässlich getroffen hatte. Aber die Umstellung auf die neue Liga und das höhere Niveau bereitete ihm einige Mühe, vor allem athletisch.

Trainer Leitl fordert Geduld

„So ist jetzt die Situation“, sagte Stefan Leitl. „Wir fokussieren uns auf die Jungs, die hier sind.“ Herthas Trainer, aber auch den Fans des Vereins wird in diesem Sommer einiges an Geduld abverlangt. Gerade vier Wochen sind es noch, bis die Berliner mit dem Auswärtsspiel beim VfL Bochum in die neue Saison starten, und noch immer konnte der Klub keine einzige Neuverpflichtung verkünden. „Wir brauchen schon noch die eine oder andere Verstärkung“, erklärte Leitl.

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Immerhin klang er nach dem Test in Lichtenberg schon ein bisschen zuversichtlicher, dass in Kürze etwas passieren wird, und zwar nicht nur auf der Abgangsseite. „Es wird bald was kommen, davon gehe ich aus“, sagte Herthas Trainer. „Wir arbeiten dran und hoffen, dass wir bald was verkünden können.“ Im ersten Schritt wird es darum gehen, die größten Leerstellen zu beheben. „Wenn man den jetzigen Kader sieht, ist es schon so, dass wir auf bestimmten Positionen was brauchen, weil da ein Vakuum ist“, sagte Leitl. Das gilt für die Position links in der Viererkette, auf der in Lichtenberg Gustav Christensen aushelfen musste. Ein Offensivspieler, noch dazu ein Rechtsfuß. Das gilt aber definitiv auch für die Position im Angriff, in dem durch Kownackis Weggang eine Stelle frei geworden ist. Dass die Besetzung der Mittelstürmerposition bei Herthas Planungen höchste Priorität genießt, ist für Sebastian Grönning eher keine gute Nachricht.